Der lange Weg von der Hosted Application zu SaaS

Ist eine Anwendung, die man nicht selbst betreibt und die man über einen Browser bedienen kann, eine SaaS (Software as a Service)? Nein, ist sie nicht – auch wenn viele Anwendungsanbieter es so verkaufen.

Die Ansatzpunkte, um aus einem ASP- (Application Service Provider) ein SaaS-Modell zu machen, sind vielfältig. Entscheidend ist der praktische Mehrwert, der für SaaS-Kunden generiert wird. Gängige Definitionen von SaaS (z.B. Wikipedia, NIST) sehen drei Aspekte als entscheidend an, um eine SaaS zu qualifizieren:

  • Anwendungs-Distribution über einen externen Anbieter, der die Anwendung hostet und betreibt
  • Ubiquitärer Zugriff des Kunden über Webbrowser
  • Der Kunde geht ein monatliches Abo-Bezahlmodell ein

Alle drei Aspekte bringen sicherlich schon einen gewissen Mehrwert für den Kunden, da administrative Tätigkeiten (z.B. Patching, Lizenzierung) auf den Provider übergehen und die Anwendung von überall zugreifbar ist. Dieser Mehrwert wird durch ASP-Modelle bereits abgedeckt.

Die Frage ist vielmehr, was ein echtes SaaS-Modell zusätzlich bieten kann

Ein echtes SaaS-Modell sollte aus unserer Sicht folgende Produktfeatures für den Kunden ermöglichen:

1. Webbasiertes Lifecycle-Management

  • Webbasierter, geführter und klickbarer Bestellprozess mit Industriesegment- oder Use-Case-spezifischen Vorkonfigurationen
  • Webgeführtes Sizing mit automatisiertem Deployment

2. Webbasiertes konfigurierbares Betriebsmodell

  • Dynamisches und regelbasiertes Kapazitätsmanagement
  • Self Service bzw. API-basierte User-Administration
  • Konfigurierbare und ausführbare Compliance-Modelle (Back-up, Archivierung, Non-Repudiation Logs)
  • IT-Sicherheitseinstellungen sind parametrierbar und reportbar

3. Webbasiertes IT-Service-Management

  • Webbasiertes Ticketing
  • Webbasiertes Service Performance Reporting
  • Webbasiertes Training, semi-automatisiert nach Kundenkonfiguration

4. Webbasiertes elektronisches Metering und Billing

 

Diese vier SaaS-Features haben für Kunden einen erheblichen kommerziellen Vorteil, da der sonst kostenintensive Customizing- und Implementierungsprozess erheblich vereinfacht wird. Komplexe Unternehmensanwendungen erfordern oftmals eine mehrmonatige Einführung mit teuren Beratern. Durch eine Vorkonfiguration kann diese nun drastisch abgekürzt werden. Für Softwareanbieter bedeutet dies einen Paradigmenwechsel: Wo einst hohe Umsätze durch das Implementierungs- und Beratungsgeschäft abgeschöpft wurden, wird in Zukunft ein neues und kundenorientierteres Geschäftsmodell die Branche verändern.  Daher wird eine Investition in die Migration von einem reinen ASP- in Richtung eines SaaS-Modells auf lange Sicht unausweichlich sein, um als Anbieter im Markt zu bestehen.

Deutliche Anwendervorteile

Aus Kundensicht ist eine solche SaaS in vielerlei Hinsicht durch einen höheren Nutzen von einem klassischen ASP unterscheidbar:

  • Die Anwendung ist in der Verkaufsphase als webbasierte Demoversion verfügbar.
  • Der Kunde kann über das Web ausprobieren, inwiefern die bereitgestellten Konfigurationstemplates seinen fachlichen, technischen und regulatorischen Anforderungen entsprechen und somit bessere Kaufentscheidungen treffen.
  • Die Konfigurationsphase ist drastisch reduziert, bis zur operationalen Readiness vergehen nicht mehr als ein paar Wochen. Ein nötiges Involvement von Beratern ist ebenfalls deutlich reduziert.
  • Trainingspakete können konfigurationsspezifisch für Anwendergruppen parallel zur Einführungsphase erstellt werden.
  • Die technische Konfiguration ist benutzerfreundlich aus fachlichen Parametern abgeleitet und transparent für eine technische Abnahme dargestellt, d.h. das oft langwierige Involvement der IT-Infrastrukturfachabteilung entfällt.
  • Das oft aufwendige händische Nachdokumentieren für interne und externe Auditoren bzgl. IT Security Compliance entfällt, da die SaaS nun konfigurierbar und reportbar ist.

Die wenigsten Hosted Applications folgen diesem Modell, aber mehr und mehr Anwendungsprovider orientieren sich an einem solchen SaaS-Benchmark und differenzieren sich dadurch. Als Kunde sollte man die Messlatte nicht zu tief hängen und gleich in Richtung SaaS-Modell denken. Die Möglichkeiten sind vielversprechend.

 

Bildquelle: Shutterstock

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