Warum die Zeit reif ist für die Deutsche Börse Cloud Exchange

Ende Mai hat die Deutsche Börse Cloud Exchange (DBCE) nach fast einjähriger Betaphase ihren IaaS-Marktplatz für Kunden und Anbieter vorgestellt. Wie gut werden sie diesen annehmen?

iNNOVO Cloud ist ein Cloud-Service-Provider der ersten Stunde und schätzt die Erfolgschancen und die Attraktivität der DBCE für Kunden hoch ein. Warum?

Verbessertes Geschäftsmodell: vom Cloud Trading zum Cloud Shopping

Die DBCE distanziert sich von der Idee, einen Handelsplatz zu gründen, der strukturell an übliche Börsenplätze angelehnt ist, wo Kunden und Broker nach verschiedenen Modellen kaufen und verkaufen. Als Reaktion auf das Kundenfeedback der letzten zwölf Monate bietet das Unternehmen nun einen Marktplatz, bei dem Kunden IaaS-Ressourcen aus transparenten und vergleichbaren Produkten von einer Reihe von Service-Providern auswählen können. Der Marktplatz ähnelt also eher einem Vergleichsportal wie Check24, wobei der Marktplatz selbst die Produkte und Konditionen bestimmt und nicht die Provider. Dieses Modell kann als Cloud-Shopping-Marktplatz bezeichnet werden.

Kunden schätzen die individuell an persönliche Zeit- und Größenanforderungen angepasste Provisionierung der IaaS-Ressourcen basierend auf zwei Verbrauchsmodellen (Pay-As-You-Go und Reserved). Da die IaaS-Einheiten standardisiert und laufend qualitätsgesichert sind, können Angebote von Providern leicht gefiltert werden, zum Beispiel nach Preis oder Herkunftsort.

Großes Potenzial zur weiteren Ausdifferenzierung von Cloud-Produkten

Während der letzten zwölf Monate wurde außerdem festgestellt, dass dieses Geschäftsmodell neue Auswahlkriterien für Kunden eröffnet. Neben der Entscheidung für Betriebssysteme zeichnet sich auf dem Markt bei den jetzigen Beta-Kunden die Nachfrage nach einer stärkeren Ausdifferenzierung ab, wie z.B. verschiedene Storage Tiers, High Compute Performance Tiers oder unterschiedliche Prozessortypen. Das Cloud-Shopping-Modell hat also das Potenzial, sich signifikant weiterzuentwickeln und dabei dem Kunden eine größere Auswahl zu bieten: Hochverfügbarkeitskonfigurationen, dedizierte Ressourcenzuweisung, virtuelle Private-Cloud-Konfigurationen, Tiering der Rechenzentren, Security Policy Regimes oder Cluster Support. Auch aus Sicht der Service-Provider ist diese Angebotspalette attraktiv, da so nicht nur über den Preis, sondern auch anhand der Features differenziert werden kann.

Kundeneinteilung und Use Cases

In den letzten zwölf Monaten, in denen Beta-Kunden die Cloud Exchange nutzten, konnten wir eine Vielzahl von Anwendungsfällen und Wertschöpfungspotenzialen feststellen:

  1. DBCE ist eine Community Cloud mit einem für Kunden und Provider klar definierten Onboarding-Prozess, indem eine Prüfung anhand transparenter Kriterien, Service-Level-Agreements (SLAs) und standardisierter Vertragsbedingungen stattfindet. Dies gewährleistet mehr Vertrauen als eine anonyme Public Cloud mit ihren minimalen Vertragsregelungen, nur wenigen, anonymen Berührungspunkten und einem fehlenden Personalisierungsansatz. Aus der Provider-Perspektive bietet die DBCE Community Cloud außerdem den Vorteil, dass höhere Sicherheitsstandards implementiert werden können, beispielsweise eine PKI-basierte (Public-Key-Infrastruktur) Authentifizierung für Kunden-VMs. Darüber hinaus ist die Dedizierung der Ressourcen möglich (exklusiv für den Kunden bereitgestellte Compute-Ressourcen).
  2. Da viele (On-Premise) Private-Cloud-Projekte scheitern oder die gleichen Probleme mit sich bringen wie die frühere Inhouse-IT, liegt nahe, dass sogar die Workloads größerer Unternehmen in einer Community Cloud besser aufgehoben sind. Beispiele sind Videoanimationen (Rendering Jobs) und HPC-Jobs (High-performance Computing), beispielsweise für Wettervorhersagen oder in Bezug auf die Verarbeitung großer Datenmengen bei Big-Data-Analysen oder Simulationen.
  3. Vergleichbare Preise für Standardprodukte ermöglichen es, zusammen mit Standard-SLAs, Rahmenverträgen und Providerzertifizierung eine einfachere, schnellere und kostengünstigere Lösung für den Bezug von virtuellen IT-Ressourcen anzubieten. So wird der langwierige und kostspielige RfP-Prozess (Request for Proposal) vermieden und die Arbeit der Einkaufsabteilungen signifikant vereinfacht.
  4. Vielen mittelgroßen Unternehmen fehlen die Ressourcen, um eine eigene Private Cloud aufzubauen – für diese ist der Marktplatz ideal, besonders im Hinblick auf das Thema Datenschutz. Denn auf dem Marktplatz agieren auch deutsche Cloud-Provider, deren Produkte deutschen Sicherheits- und Datenschutzrichtlinien entsprechen und deren Rechenzentren sich im deutschen Rechtsgebiet befinden.

Es gibt also eine Vielzahl an attraktiven Anwendungsfällen, sowohl für größere als auch für mittelgroße Unternehmen.

Wie aufwendig ist das Onboarding aus Provider-Perspektive?

Provider für den DBCE-Marktplatz zu werden, war für iNNOVO Cloud eine Medaille mit zwei Seiten: Auf der einen Seite war das kommerzielle und funktionale Onboarding in Bezug auf juristische und Compliance-Kriterien klar definiert und effizient im Hinblick auf Testdurchführung und Adaption. Auf der anderen Seite gestaltete sich das technische Onboarding komplizierter, da umfassende OpenStack-Erfahrungen notwendig sind, um die Implementierung und die Betriebs-Lernkurve der Marktplatzumgebung in den Griff zu bekommen. Darüber hinaus stellt DBCE die ECO-Settlement-Komponente zusätzlich zum OpenStack zur Verfügung. Glücklicherweise hält die DBCE die Möglichkeit bereit, eine ECO-Settlement-Komponente als Managed Service administrieren zu lassen. iNNOVO Cloud sieht hier Verbesserungspotenzial für den Onboarding-Prozess, indem den Teilnehmern eine virtuelle DBCE-Marktplatz-Appliance ready-to-use zur Verfügung gestellt wird.

Produktverbesserungen für DBCE-Provider

Neben den beschriebenen Wertschöpfungspotenzialen, die sich aus Kundensicht ergeben, sind aus Providersicht folgende Themen wichtig:

  • Shared-OpenStack-Plattform: Der DBCE Technology Stack basiert auf der OpenStack-Plattform, die als führende Cloud-Management-Plattform angesehen wird. Für Provider ist es wichtig, dass die Börsenplattform offen angelegt ist, sodass das Kapazitätsmanagement und die Lastverteilung zwischen DBCE-Kunden und eigenen Kunden abstimmbar werden.
  • Betriebsmodell der ECO-Settlement-Komponente: Die Ressourcenverwaltung sollte verschiedene Betriebsmodi wie Hochverfügbarkeit und eine API-Kompatibilität unterstützen.

Wir sind davon überzeugt, dass die Lösung der DBCE die Relevanz der Cloud in Europa wesentlich steigern wird. Es bleibt spannend…

 

Bildquelle: Shutterstock

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