„Digital Single Market“: Roaming-Gebühren ade?

Der europäische „Digital Single Market“ (DSM) rückt in greifbare Nähe – ab Juni 2017 gehören Roaming-Gebühren der Vergangenheit an. Zumindest fast. Fair-Use-Einschränkungen könnten freies Roaming teiweise aushebeln.

Der Trilog zwischen Europäischer Kommission, Europäischem Parlament und dem Rat der Europäischen Union am 29. Juni endete mit einer Einigung zu den verbliebenen Themenkomplexen Netzneutralität und Roaming. Zukünftig sollen bei der Netzneutralität im offenen Internet enge Regelungen gelten: „Strong net neutrality rules protecting the right of every European to access Internet content, without discrimination”. Zum Thema Roaming wurde seitens der Europäischen Kommission Folgendes veröffentlicht: „The end of roaming charges in June 2017. When travelling in the EU, mobile phone users will pay the same price as at home, with no extra charges.“

Schritt hin zur grenzüberschreitenden Digitalisierung

So weit so gut. Die Mehrheit der mobilen Nutzer hat sich bei Auslandsaufenthalten inner- oder außerhalb Europas sicherlich schon mindestens einmal genau das gewünscht. Auch wenn die Preise für Telefonie-Roaming und SMS seit 2007 bereits um 80 Prozent und die Preise für Datenroaming sogar um 91 Prozent gesunken sind. Jetzt wird der Wunsch zumindest für Europa Realität. Damit ist eine weitere wichtige Hürde zur grenzüberschreitenden Digitalisierung genommen. Bereits ab April 2016 darf nur noch ein Aufschlag von 0,05 € pro Anrufminute, 0,02 € pro SMS und 0,05 € pro MB Datenvolumen zzgl. MwSt. erhoben werden – bevor ab dem 15. Juni 2017 Preisunterschiede zwischen Inlands- und Auslandssprachdatendiensten untersagt sind.

Schein oder Sein?

Aber existieren dann wirklich keine Preisunterschiede mehr? Nicht ganz. Die Europäische Kommission räumt den Netzbetreibern Fair-Use-Einschränkungen ein. Interessant wird sein, wie diese konkret aussehen und in welchem Maße sie Teile des DSM-Pakets aushebeln. Im Sinne des Anwenders ist ein Roaming grundsätzlich abzulehnen. Allerdings erfordert die Vision eines „Digitalen Europas“ hohe Investments in den Ausbau der Breitbandinfrastruktur. Die Kernfrage lautet: „Welche Erträge stehen den Investments gegenüber?“

Zukünftige Herausforderungen

Die Wirtschaft muss den Breitbandausbau vorantreiben und hier ist weitere Unterstützung der Europäische Kommission gefragt. Diese hat bereits angekündigt, die folgenden fünf Herausforderungen im nächsten Schritt anzugehen:

  1. Schaffung eines realen singulären Marktes
  2. Management des Spektrums (Frequenzbänder) auf EU-Ebene
  3. Investments in Netzwerke
  4. Gleiche Voraussetzungen für traditionelle und Online-Anbieter
  5. Regelung von Governancefragen

Es bleibt zu hoffen, dass diese Punkte zeitnah geregelt und nicht (wieder) von Endlosdiskussionen verzögert werden. Nur dann kann Europa den Vorsprung einholen, den die USA und Co. beim Thema Digitalisierung derzeit haben.

 

Bildquelle: Shutterstock

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