Noch viel (digitale) Luft nach oben

Wie innovativ ist Deutschland und nutzen wir die Chancen der Digitalisierung? Eine Zusammenfassung des EFI-Gutachtens in den Themenfeldern KMU und Robotik.

Die wesentlichen Aufgaben der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) sind, laut ihrem Vorsitzenden Prof. Dietmar Harhoff, die Stärken und Schwächen des deutschen Innovationssystems im internationalen und zeitlichen Vergleich zu analysieren und die Perspektiven des Forschungs- und Innovationsstandorts Deutschland zu bewerten. Mitte Februar überreichte die EFI der Bundesregierung ihr Jahresgutachten 2016. Im Vordergrund steht das Thema Digitalisierung, wobei u.a. folgende Felder untersucht wurden:

  • Beitrag von KMU zu Forschung und Innovation in Deutschland
  • Robotik im Wandel
  • Geschäftsmodelle der digitalen Wirtschaft
  • E-Government in Deutschland

Das ernüchternde Gesamtfazit: Deutschland droht in der digitalen Wirtschaft hinterherzulaufen. Wir sind in der Gesamtschau der Digitalisierungsaktivitäten allenfalls internationales Mittelmaß und derzeit insgesamt zu sehr darauf bedacht, etablierte deutsche Stärken zu verteidigen. Heute möchte ich meinen Fokus zunächst auf die Themen KMU und Robotik legen.

Innovationspotenzial bei kleinen und mittleren Unternehmen

Eine Aussage ist mir hier besonders ins Auge gestochen, nämlich dass nur ein Teil der KMU überhaupt eine Bedeutung für Beschäftigung und Innovation entfaltet. Das widerspricht der klassischen Darstellung der KMU als tragende Stütze der deutschen Volkswirtschaft.

Der Beitrag von KMU zu Forschung und Innovation in Deutschland
Quelle: EFI – Expertenkommission Forschung und Innovation (2016): Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands 2016, Berlin: EFI.

Belegt wird dies durch die im internationalen Vergleich geringen Innovationsausgaben deutscher KMU. Und auch in Bezug auf die Patentintensität und den Umsatzanteil mit neuen Produkten liegen wir nur im Mittelfeld. Getrieben wird diese Entwicklung u.a. durch den zunehmenden Mangel an Fachkräften und internen sowie externen Finanzierungsquellen. So werden beispielsweise nur 14 Prozent der Ausgaben für Forschung und Entwicklung aus staatlichen Quellen finanziert. In den meisten Vergleichsländern, die neben der direkten auch über eine steuerliche Forschungs- und Entwicklungsförderung verfügen, ist dieser Anteil mehr als doppelt so hoch.

Die EFI-Empfehlungen:

  • Einführung einer steuerlichen Forschungs- und Entwicklungsförderung unter besonderer Beachtung der Belange von KMU
  • Attrahierung von Gründern aus dem Ausland
  • Schaffung von gesetzlichen Grundlagen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Wagniskapital
  • Erhöhung des Angebots an Fachkräften; u.a. Unterstützung für KMU, die im Ausland rekrutieren
  • Regelmäßiges Überdenken der Förderprogrammstruktur und Überprüfung auf übermäßige Komplexität und Dopplungen, begleitet von einer gründlichen Evaluierung

Robotik gestern und heute

Roboter sind in den vergangenen 50 Jahren in der industriellen Fertigung und dort vor allem in der Automobilproduktion zum Einsatz gekommen. In Deutschland ist dies weiterhin überwiegend der Fall, während international ein Wandel festzustellen ist.

Robotik im Wandel
Quelle: EFI – Expertenkommission Forschung und Innovation (2016): Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands 2016, Berlin: EFI.

Roboter werden immer kleiner, leichter, billiger und flexibler, außerdem arbeiten sie zunehmend direkt mit dem Menschen zusammen anstatt in separaten Sicherheitsräumen. Durch die starke Fokussierung auf den Industrieroboter droht Deutschland jedoch deren Potenzial für den Einsatz im Servicebereich (z.B. als Reinigungssystem und Assistenz in der klinischen Pflege) zu verschlafen. Prognosen gehen davon aus, dass die Service- die Industrierobotik hinsichtlich des weltweiten Marktvolumens bis spätestens 2025 einholen wird. Nicht ohne Grund investieren zahlreiche globale Player (z.B. Google) in diesen Markt.

Die EFI-Empfehlungen:

  • Entwicklung einer expliziten Robotikstrategie, die der wachsenden Bedeutung der Servicerobotik Rechnung trägt, u.a. durch eine angemessene Förderung
  • Stärkere Berücksichtigung von Potenzialen moderner Roboter abseits der Automobilindustrie
  • Die Robotikforschung soll an den Hochschulen ein stärkeres Gewicht bekommen, die Ingenieurs- und Informatikausbildung stärker verschränkt werden.
  • Gründlichere Vermittlung von Anforderungen und Chancen einer stärkeren Nutzung von Robotern in der dualen Berufsausbildung, Ausbildungsschwerpunkte in der Robotik
  • Ausbau der Weiterbildungsangebote im Bereich Robotik

 

In meinem nächsten Beitrag werden die Geschäftsmodelle der digitalen Wirtschaft und das Thema E-Government im Blickpunkt stehen.

 

Bildquelle: Shutterstock

 

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.