Schritt für Schritt: Über Administration 4.0 zu Industrie 4.0

Wer zu spät kommt, den bestraft…? Die Digitalisierung der Prozesse! Warum die First Mover von heute die Gewinner von morgen sind und Administration 4.0 eine gute Zwischenetappe auf dem Weg zur vierten industriellen Revolution.

Neue Geschäftsmodelle erfordern eine durchgängige digitale Vernetzung – so das Fazit meines letzten Beitrags. Aber existieren dazu bereits die nötigen Standards? Und wie kann ein Unternehmen die eigene Digitalisierung beschleunigen?

Intelligente Vernetzung sichert den Erfolg

Beim Schlagwort Industrie 4.0 geht es letztendlich darum, dass Produkte und Anlagen ein „Gedächtnis“ bekommen und automatisiert miteinander kommunizieren. Das erfordert, sämtliche Daten der Wertschöpfungsnetzwerke (z.B. Fertigung, Logistik, Nutzung und Entsorgung) aufzuzeichnen und für die Prozess- und Produktoptimierung zur Verfügung zu stellen. In der Folge wird der Automatisierungsgrad massiv erhöht: Roboter und intelligente Assistenzsysteme werden viele der heute noch manuellen Tätigkeiten übernehmen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung schreibt dazu in seinem Zukunftsbild „Industrie 4.0“: „Vor allem aber können sie (die Unternehmen) ausgehend von diesen Technologien integrierte Systemlösungen und komplexe Anwendungen anbieten, die Maschinen und Dienste zu einem Leistungspaket verbinden und ihren langfristigen Erfolg auf den Weltmärkten in entscheidender Weise sichern.“

Grundsätzlich stehen Unternehmen alle technologischen Möglichkeiten zur Verfügung, um die Transformation in Richtung Industrie 4.0 zügig voranzutreiben. Dabei wird immer auch über Standards diskutiert. Das ist richtig, wichtig und sinnvoll – allerdings nur, wenn diese als das verstanden werden, was sie sind: ein Sprungbrett für die Digitalisierung.

Dokumentation ist (nur) der erste Schritt

In jedem Unternehmen existieren (manuelle) Verwaltungsprozesse, die über die gesamte Wertschöpfungskette dokumentiert werden sollten. Ausgangspunkt und Grundlage sind einschlägige Normen, wie z.B. DIN EN ISO 9000:2000 ff oder ITIL V3. Diese sind grundsätzlich prozessorientiert aufgebaut und definieren Elemente des Qualitätsmanagements, die den Standardprozessen der produzierenden und dienstleistenden Industrie entsprechen – von der Entwicklung über die Produktion und Montage bis zum Kundendienst und Services.

Zertifizierte Unternehmen haben viel Zeit in die Dokumentation ihrer Prozesse investiert und führen im besten Fall regelmäßig Aktualisierungen durch. Allerdings ist Papier bekanntlich geduldig. Der springende Punkt ist, ob Optimierungspotenziale auch gehoben werden:

  • Wurden Medienbrüche (unterschiedlicher IT-Systeme) erkannt und behoben?
  • Wurden (repetitive) Tätigkeiten automatisiert und die Fehlerquote reduziert?
  • Sind Prozesse in der Konsequenz so gestaltet, dass neue Mitarbeiter die Geschäftsprozesse ohne intensive Einarbeitungszeiten bewältigen können?
  • Findet ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) statt?

Gestalter werden belohnt

Eine dynamische und medienbruchfreie Optimierung aller Prozesse auf der Basis von Key Performance Indicators (v.a. Zeit, Qualität, Ressourceneinsatz und Energiekosten) ist der Schlüssel zum Erfolg – sie lässt die Administration 4.0 zur Realität werden. Möglich wird diese durch eine durchgängige, toolgestützte Modellierung und Automatisierung, die Fachbereiche und IT mit einer gleichen Sprache verbindet. Unternehmen, die Administration 4.0 ernst nehmen, können Kosteneinsparungen und Wachstumssteigerungen generieren, und damit die notwendige Investitionsgrundlage für Industrie 4.0 schaffen. Die First Mover erhalten die Chance, mit einer frühzeitigen Prozessdigitalisierung ihrer Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein, und neue Märkte für sich zu erobern. Nicht zuletzt, weil sie die wettbewerbsbestimmenden Faktoren Zeit, Qualität, Ressourceneinsatz und Energiekosten kontinuierlich optimieren und von schnellen Entscheidungsprozessen profitieren.

Wer nicht entscheidet, wird entschieden!

Die größten Störfaktoren im globalen Digitalisierungswettlauf sind unternehmensintern: „Glaubenskriege“ sowie Verlustängste – v.a. in Bezug auf Entscheidungsfragen – blockieren Innovationen. Gefragt sind Gewinnertypen, die einmal mehr aufstehen, als sie hinfallen. Jene, die die Bereitschaft haben, einen Weg zu gehen, bei dem es auch mal wehtut. Schritt für Schritt. Denn, wer zu spät kommt…

 

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