Trau dich, Logistik: ein Plädoyer für IT-Innovationen

Wo steht die Logistik – digitaler Oscar oder goldene Himbeere? Sie haben entschieden: Die Logistik spielt in der Digitalisierungsliga der Branchen nur im hinteren Mittelfeld mit.

Nachdem ich meine Wahrnehmung zum Digitalisierungsgrad der Logistik formuliert und unterschiedlichste und gegensätzlichste Rückmeldungen erhalten hatte, fragte ich Sie nach Ihrer Meinung: Wie steht es um den Digitalisierungsgrad in der Logistik? Vielen Dank für die rege Teilnahme, die Ergebnisse will ich Ihnen natürlich nicht vorenthalten.

 

Wie steht es um den Digitalisierungsgrad in der Logistik?

 

Ihrer Meinung nach spielt die Logistik in der Digitalisierungsliga der Branchen im hinteren Mittelfeld mit, immer darum kämpfend, den Abstieg zu vermeiden – um bei der Sportmetapher zu bleiben. Das einzig Erfreuliche daran ist, dass dies unsere vorher formulierte These stützt:

„Trotz großer Potenziale wird das Thema – gerade im Mittelstand – noch sehr verhalten angegangen. Zu teuer, der Nutzen zu unklar. Demgegenüber stehen einige wenige Leuchtturmprojekte der Branchenprimi. Meine These: Ein Aufwachen ist dringend notwendig.“

Schützenhilfe für unsere Aussage haben wir übrigens auch vom 4. Transcoop-09-Kongress in Darmstadt erhalten, der zu dem Ergebnis kommt: „Logistiker müssen Innovationstreiber sein“. Logistikfremde Konzerne wie z.B. Amazon drängen mit ihrem IT-Background immer mehr in den Logistikmarkt und bringen so den etablierten Logistiker mächtig unter Druck. Die Logistik darf nicht warten, bis die Digitialisierungsanforderungen aus Handel oder Industrie durchgereicht werden. Denn dann ist die Zeit zum eigenverantwortlichen, innovativen Handeln faktisch nicht mehr vorhanden.

Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt

Nehmen wir jetzt die Umfrage- und Kongressergebnisse sowie die ganzen weiteren Quellen, die sich zur Digitalisierung der Logistik finden, als gesetzte Wahrheit an, ergeben sich automatisch zwei Effekte:

  1. Ein Logistiker fühlt sich erst einmal schlecht, weil er angeblich nicht gut aufgestellt ist.
  2. Danach fragt er sich, was er denn tun soll, um besser zu werden, weiß aber oft nicht, wo er anfangen soll.

Ein allgemeingültiges Patentrezept zur direkten Umsetzung gibt es nicht, da jede Ausgangslage anders ist. Aber es gibt Leitlinien, die jeder anwenden kann, um seinen individuellen Weg in die Digitalisierung zu gehen. Schritt für Schritt, so dass es für jeden leistbar ist. Wichtig ist, sich zu besinnen, was die eigentlichen Treiber sein sollten:

Optimierung als Kreislauf
Die Digitalisierung als Kreislauf: vom Ziel über die Schaffung von Transparenz und die Identifizierung von Optimierungspotenzialen zum Projekt.

Daten sind das Erdöl des 21. Jahrhunderts…

… ist die These von Tim Cole in seinem Buch Digitale Transformation und er hat recht. Transparenz gewinne ich aus Daten, aus vielen Daten, aus „Big Data“. Diese mit entsprechenden Werkzeugen gemäß Business-Analytics-Ansätzen auszuwerten ist kein Hexenwerk. Somit bleibt eigentlich nur noch die Frage offen, woher die Daten kommen. Momentan gibt es genau zwei Quellen dafür: Bestandssysteme (vom SAP bis Excel-Dateien) und die Köpfe der Mitarbeiter. Und genau darum geht es: dieses Wissen explizit zu machen. Durch das bereits digitalisierte Privatleben ist heute nichts einfacher als das: jeder kann mit Smartphones und Apps umgehen, QR-Codes scannen und Location-based Services nutzen. Nur im betrieblichen Umfeld läuft man noch mit Laufzetteln und Excel-Ausdrucken herum.

Somit ergibt sich eine mögliche einfache Handlungsstrategie:

  • Erzeuge Datenquellen so einfach wie möglich (z.B. durch einfache Apps für die Mitarbeiter)
  • Sammle diese Daten in Big Data Stores
  • Verknüpfe deine Bestandssysteme mit diesem Big Data Store
  • Suche nach Antworten und auch nach neuen Fragen in diesem Datentopf mittels Business Analytics
  • Identifiziere Schwachstellen, Prozessprobleme und Optimierungspotenzial

Hat man erst einmal diese Transparenz, kann man für einen schnellen ROI einerseits Optimierungen identifizieren und durchführen. Andererseits gibt es aber einen noch viel größeren Effekt: Eine klare Sicht auf mein Unternehmen eröffnet den Blick auf neue bzw. transformierte Geschäftsmodelle. Die Wertschöpfung wird durch das „Bohren“ in den Daten erzeugt, insofern sind sie „das Erdöl des 21. Jahrhunderts“. Kann das funktionieren? Vor allem ohne gleich das ganz große Rad drehen zu müssen, sondern mit kleinen, smarten Quick-Win-Lösungen? Mehr dazu im nächsten Blogbeitrag.

 

Bildquelle: Shutterstock

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