Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer beklagt zurückhaltende Investitionen in Beteiligungskapital in Deutschland. Die Politik ist am Zug, das zu ändern. 

Die Welt führte Anfang März ein spannendes Doppelinterview: auf der einen Seite Matthias Machnig, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium und auf der anderen Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer. Das ungleiche Paar diskutierte, wie Deutschland bei der Digitalisierung aufholen kann. Ein zentraler Punkt war dabei die (fehlende) Förderung von Start-ups durch Wagniskapital.

Es fehlt ein Venture-Capital-Gesetz

Oliver Samwers Standpunkt ist einfach zusammengefasst: Die Wirtschaft hierzulande sieht er vor Schlüsseljahren, es entscheide sich nun, wer am Ende dem Silicon Valley standhält. Nach mehr als 15 Jahren Digitalwirtschaft habe er zum ersten Mal das Gefühl, dass Deutschland, vor allem aber auch Berlin einen deutlichen Schritt nach vorn gemacht hat. Allerdings sind die Voraussetzungen für ein gründerfreundliches Umfeld, aus dem künftige Weltmarktführer entstehen könnten, in Deutschland nach wie vor nicht optimal:

„In den USA werden im Monat zehn bis 20 mal 100 Millionen Dollar in Unternehmen investiert. Bei uns ist das die ganz große Ausnahme. In Europa fehlt dafür schlichtweg die Risikobereitschaft der großen Vermögensverwalter. Darauf können wir auch nicht warten. Der Staat kann aber unterstützen, etwa über ein Venture-Capital-Gesetz oder die KfW-Gruppe.“

Anspruch und Wirklichkeit

Bereits im November hatte ich hier im Blog die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit beim Thema Venture Capital thematisiert: Die Bundesregierung hatte sich im Koalitionsvertrag 2013 ein Venture-Capital-Gesetz auf die Fahnen geschrieben. Passiert ist bisher nichts. Dabei zeigen die aktuellen Zahlen des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), wie wichtig ein entsprechender Rahmen durch die Politik wäre: Der Beteiligungsmarkt war 2015 rückläufig – das Investitionsvolumen verringerte sich gegenüber dem Vorjahr um fast 25 Prozent.

Schaut man sich die Zahlen näher an, wird deutlich, dass dieses Ergebnis überwiegend auf den Einbruch des Buyout-Segmentes, also die Übernahme von Gesellschaften auf Basis von Eigenkapital, zurückzuführen ist.

Beteiligungskapital in Deutschland 2015 im Vergleich zu 2014
Entwicklung Beteiligungskapital in Deutschland 2015 im Vergleich zu 2014, Quelle: Rohdaten BVK

Der Rückgang des Buyout-Sektors kann vielleicht noch durch Verzögerung bei großen Einzeltransaktionen erklärt werden – beunruhigend ist jedoch das geringe Wachstum in den vorgelagerten Venture-Capital-Phasen (Seed, Start-up, Later Stage). Zwar investierten Venture-Capital-Gesellschaften so viel wie seit 2008 nicht mehr (der Vorjahreswert wurde um 16 Prozent übertroffen), dies reicht jedoch bei Weitem nicht aus, um die Chancen junger Unternehmen im internationalen Vergleich spürbar zu verbessern. Wir benötigen bessere Rahmenbedingungen für die Finanzierung, nur so können dem Markt nachhaltig neue Impulse verliehen werden.

Den Worten müssen Taten folgen

Es gilt, mehr Kapital zu mobilisieren und ausländische Investoren anzulocken – darin sind sich alle einig. Auch Matthias Machnig, der im Welt-Interview betont, dass bereits viele Förderprogramme für Gründungen aufgestockt wurden. Gleichzeitig bemängelt aber auch er, dass der Wagniskapitalmarkt noch zu klein sei:

„Das sind dicke Bretter, aber wir bohren.“

Das mag sein, aus meiner Sicht bohren die Verantwortlichen allerdings mehr als langsam. Der oben erwähnte Koalitionsvertrag datiert immerhin bereits auf November 2013.

 

Bildquelle: Shutterstock

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