Das digitale Wirtschaftswunder – Rückblick auf die CeBIT 2015

Digitales Wirtschaftswunder in Deutschland? Rückblick auf die CeBIT 2015

Die CeBIT 2015 stand ganz im Zeichen des neu geschaffenen Kunstwortes „d!conomy“, das die digitale Transformation der Wirtschaft beschreibt. Das digitale Zeitalter durchdringt zunehmend die Unternehmen und bietet sowohl Chancen als auch Herausforderungen. Ist Deutschland bereit, sich diesen zu stellen?

Die wachsende Vernetzung der Welt wird uns – nach Dampfmaschinen, elektrischer Energie und Automatisierung – zur vierten industriellen Revolution führen, von der BITKOM-Präsident Dieter Kempf eine Art „digitales Wirtschaftswunder“ erwartet. Während sich Produktionsprozesse, Logistik und Handel grundlegend verändern, können nur diejenigen Unternehmen zu den Gewinnern zählen, die sich dieser Transformation zu stellen wagen – so der Grundtenor auf der CeBIT 2015.

Wohlgemerkt bezeichnet die digitale Transformation keineswegs eine Modeerscheinung zur Werbung neuer Kunden seitens der Plattformanbieter und Softwarehersteller, sondern einen umfassenden Umbruch. Und dieser hat bereits begonnen.

Chancen der digitalen Transformation in Deutschland

Insbesondere für mittelständische Unternehmen entstehen durch das „digitale Wirtschaftswunder“ große Chancen auf Wettbewerbsvorteile, die es zur Sicherung von Marktanteilen zu nutzen gilt. Dies lässt sich konkret an den folgenden Beispielen aufzeigen:

Cloud Computing An den verschiedensten Stellen im Unternehmen werden Daten entweder generiert oder benötigt. Werden in einer Werkstatt beispielsweise Leistungen erfasst, die später wiederum von der Buchhaltung bei der Rechnungsstellung aufgeführt werden sollen, kann die Verbindung durch einen gemeinsamen und für alle Beteiligten zugänglichen Speicherplatz in der Cloud erfolgen. Müssen die Handwerker spezielle Teile aus einem Zentrallager anfordern, kann dies über ein mobiles Gerät erfolgen, das mit der Anwendung im Rechenzentrum kommuniziert. Cloud Computing sorgt in diesem Fall dafür, dass Anwendungen jederzeit verfügbar sind und gewährleistet eine schnellere Abwicklung, eine vollständige Erfassung der Vorgänge und eine höhere Qualität der Geschäftsprozesse.

Big Data Insbesondere Kundendaten gelten in Unternehmen als wertvolles Wirtschaftsgut, denn aktive Kundenbindungsmaßnahmen erfordern hochwertige Datenbestände, die es kontinuierlich zu pflegen und zu ergänzen gilt. Big-Data-Technologien bilden die Grundlage zur Erschließung dieser Datenbestände und ermöglichen so die Generierung von maßgeschneiderten Zusatzangeboten, Dienstleistungen und Folgeaufträgen – ein wichtiger Bereich für kleine und mittelständische Unternehmen, da die Neukundengewinnung meist mit großem Aufwand verbunden ist. Auch individualisierte bzw. schnell lieferbare Produkte sowie Dienstleistungen erfordern flexible und automatisierte Geschäftsprozesse, die auf verschiedenartigen Daten basieren – von Kunden- über Produktions- und Lieferanten- bis hin zu Zahlungsdaten. Wer die Datendrehscheibe beherrscht, hat den ersten Schritt zum digitalen Unternehmen gemacht.

Wie eine jüngst durchgeführte PAC-Studie zeigt, sind sich deutsche Unternehmen dieser Chancen und des Handlungsbedarfs in Hinblick auf das „digitale Wirtschaftswunder“ durchaus bewusst. Ganze 100 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, sich strategisch bereits mit dem Thema Digital Transformation zu beschäftigen. Konkrete Erfolge können bislang allerdings die wenigsten vorweisen: Nur 28 Prozent unter ihnen verfügen über eine ausgearbeitete, übergreifende Digitalisierungsstrategie und 45 Prozent glauben, bezüglich digitaler Geschäftsmodelle noch deutlich innovativer werden zu müssen.

Das „digitale Wirtschaftswunder“ beginnt heute

Viele Themen, die im Zusammenhang mit der d!conomy oder Industrie 4.0 auf der CeBIT 2015 diskutiert wurden, muten heute zugegebenermaßen noch wie ferne Zukunftsmusik an. Tatsächlich sind wir der Marktreife zahlreicher Innovationen aber näher, als einige vielleicht denken. So könnten komplexe Bauteile schon bald kostengünstiger mit 3-D-Druckern erstellt werden, da auf diese Weise Materialabtrag vermieden wird. Maschinen im Internet der Dinge wiederum könnten in naher Zukunft beispielsweise selbstständig präventive Instandhaltungsmaßnahmen anmelden.

Dabei beginnt alles mit einer umfassenden Unternehmensstrategie, die auf die Transformation zum digitalen Echtzeit-Unternehmen ausgerichtet ist. Die Grundlage dieser Strategie bilden eine Analyse des Ist-Zustands und die schrittweise Umsetzung von Optimierungsprojekten der IT-Prozesse sowie -Systeme (ein Transformations-Big-Bang wird sicherlich nicht funktionieren). Nur Unternehmen, die diesen Wandel von Anfang bis Ende durchlaufen, werden am „digitalen Wirtschaftswunder“ teilhaben können.

Diese Einsicht scheint nun langsam aber sicher auch in Deutschland anzukommen – die Ausrichtung der CeBIT 2015 auf den Themenkomplex der digitalen Transformation spricht hier eine eindeutige Sprache. In letzter Zeit wurde viel darüber diskutiert, ob Deutschland die Digitalisierung verschlafen habe und ob der Vorreiter USA überhaupt noch einzuholen sei. Dass dies möglich ist, gilt es nun zu beweisen. Und auch wenn es an der Umsetzung derzeit noch etwas hapert – in Deutschland sind die Weichen für das „digitale Wirtschaftswunder“ (endlich) gestellt.

 

Bildquelle: Shutterstock

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