Smart – smarter – IFA 2016

Smart – smarter – IFA 2016

Smart TVs, Wearables, Smart Home und Smartphones – eine smarte Zusammenfassung der Produkttrends auf der Internationalen Funkausstellung 2016.

Anfang September fand in Berlin zum 56. Mal die Internationale Funkausstellung (IFA) statt und lockte insgesamt 240.000 Besucher an. Ein Grund für den großen Besucheransturm dieser global führenden Messe ist mit Sicherheit die Vielzahl der präsentierten Produkte im Bereich Consumer Electronics und Home Appliances. Mehr als 1.800 Aussteller präsentierten ihre Innovationen. Meine Kolleginnen Ulla Nees und Silva-Marie Spietz haben sich für Sie umgehört und stellen Ihnen einige ausgewählte Highlights und Trends vor:

Smart TVs auf dem Vormarsch

Bei den Fernsehgeräten lassen sich drei große Trends erkennen:

OLED – der neue Standard für hochwertige TV-Geräte

OLED steht für „Organic Light Emitting Diode“ und beschreibt eine Bildschirmtechnik, bei der jeder Bildpunkt eine kleine organische LED-Leuchte ist, die bei Bedarf selbst Licht ausstrahlt. Dadurch kann beispielsweise ein „schwärzeres“ Schwarz erzeugt werden als bei einem LCD-Display und insgesamt wirken die Farben sehr viel ausdrucksstärker. Außerdem können damit noch flachere Bildschirme produziert werden und OLED-Geräte benötigen weniger Energie als LCD-Displays. Allerdings beträgt die Lebensdauer von OLED-Geräten durchschnittlich nur ein Fünftel der von LCD-Geräten. Fast jedes der hochwertigen TV-Geräte, die auf der IFA präsentiert wurden, war bereits mit der OLED-Technik ausgestattet. Es lässt sich also vermuten, dass dies zum neuen Standard für Produkte im Luxuspreissegment wird.

Ultra High Definition – hohe Auflösung für große Wohnzimmer

Ultra High Definition (UHD) ist, wie der Name bereits vermuten lässt, eine Weiterentwicklung von Full HD und besitzt doppelt so viele Bildpunkte in der Horizontalen, nämlich fast 4000 Stück, weshalb die Technik oft auch mit dem Begriff „4K“ beworben wird. Um UHD realisieren zu können, muss die Bildschirmdiagonale allerdings mindestens 1,15 m betragen – für kleine Wohnzimmer ist der Trend also nichts.

HDR – ein höherer Kontrast für schönere Bilder

HDR dürfte wohl bereits vielen ein Begriff sein, liest man doch häufig von der HDR-Funktion der Smartphone-Kamera. Doch was genau bedeutet eigentlich HDR? Ausgeschrieben heißt HDR High Dynamic Range. Die HDR-Technik beinhaltet einen überdurchschnittlichen Helligkeitsunterschied zwischen Schwarz und Weiß, also einen überdurchschnittlich hohen Kontrast. Der Grund hierfür liegt in einer höheren Anzahl an Bits pro Farbe. Herkömmliche Geräte benutzen lediglich 8 Bit pro Farbe. Das bedeutet, dass die Primärfarben Rot, Grün und Blau jeweils nur in 256 Abstufungen dargestellt werden. Bei HDR sind es 10 oder 12 Bit pro Kanal, was 1024 beziehungsweise sogar 4096 Abstufungen bringt. Oder einfach ausgedrückt: Während es bei der UHD-Technik um eine höhere Anzahl an Pixeln geht, geht es bei HDR um „schönere“ Pixel.

Wearables – klassisches Design mit smarten Funktionen

Wearables sind Mikrocomputer, die beispielsweise am Arm oder Hals getragen oder in die Kleidung eingenäht werden können. Auf der IFA wurden vor allem viele neue Activity Tracker und Smartwatches vorgestellt.

Diese kleinen Alltagshelfer erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Wie auf der IFA erkennbar, geht der Design-Trend bei den Wearables von futuristisch aussehenden Armbändern hin zu Smartwatches, deren Design sich an dem klassischer Uhren orientiert. Dazu passt, dass auf der IFA auch Smartwatches von Modemarken präsentiert wurden, u.a. von Fossil, Michael Kors und Skagen.

Samsung stellte auf der IFA die Samsung Gear S3 vor – ebenfalls eine Smartwatch mit analogem Design. Was die Samsung Gear S3 besonders macht, ist das eigene integrierte GPS-Modul. Dadurch wird die Uhr unabhängig vom Smartphone und beispielsweise ein Jogger müsste dieses nicht mehr zwingend mitnehmen, um seine gelaufene Strecke aufzuzeichnen.

Smart Home – noch immer keine einheitliche Plattform

Auch viele verschiedene Smart-Home-Produkte wurden auf der IFA präsentiert – aber genau das ist auch weiterhin das Problem auf dem Smart-Home-Markt. Die meisten Lösungen, die präsentiert wurden, sind Einzellösungen oder zumindest auf das jeweilige System des Anbieters beschränkt. Das heißt, es ist nicht möglich, alle seine Smart-Home-Produkte gesammelt von einer Plattform aus zu steuern, sondern man muss auf die verschiedenen Apps der einzelnen Produkte oder zumindest Hersteller zurückgreifen. Ob sich in absehbarer Zeit eine Plattform bzw. ein Anbieter durchsetzen wird, war auf der IFA nicht erkennbar.

Nichtsdestotrotz wurden einige interessante Produkte vorgestellt. Dazu gehören beispielsweise smarte Kühlschränke mit integriertem Tablet oder das smarte Bügeleisen, mit dem man bessere Bügelergebnisse erzielen soll.

Smartphones – Mittelklassegeräte auf dem Vormarsch

Natürlich durften unter all den Produkten auch die Smartphones nicht fehlen. Auch wenn hier der ganz große Trend gefehlt hat, gab es trotzdem einige Neuvorstellungen. Präsentiert wurden vor allem Mittelklasse-Smartphones, beispielsweise von Huwaei oder Medicon. Außerdem stellte Nubia sein neues Android-Flagship Z11 vor, das mit einer besonders guten Kamera ausgestattet sein soll. Diese besitzt 16 Megapixel und eine Langzeitbelichtung von bis zu 72 Sekunden – damit sollen auch bei schwierigen Lichtverhältnissen Fotos auf dem Niveau einer Spiegelreflexkamera möglich sein. Auf eine besonders gute Kamera wurde auch bei Motorola geachtet. Für das neue Moto Z Play gibt es einen Kameraaufsatz, mit dem eine 12-Megapixel-Auflösung und ein 10-fach optischer Zoom realisiert werden können.

Außerdem waren bereits viele der Smartphones mit Full-HD ausgestattet, die meisten hatten zudem Platz für zwei SIM-Karten und eine externe Speicherkarte.

Die Vielzahl an verschiedenen Smartphones, davon viele von chinesischen Herstellern, verdeutlicht nochmals, was eigentlich schon längst offensichtlich ist: die Zeiten eines „First Movers“, wie es beispielsweise Apple einmal war, sind vorbei. Es ist zu erwarten, dass es durch das zunehmend breitere Angebot und die Etablierung chinesischer Marken in der Smartphone-Branche zu einer weiteren Preisdegression kommen wird.

Smart Everything – der intelligente Fußball

Außerdem wurden Produkte vorgestellt, die nicht in die genannten Kategorien passen, sondern in der Sparte „Everything“ platziert werden. Eine dieser Erfindungen, der Adidas miCoach Smart Ball, könnte vor allem die Fußballwelt begeistern. Dieser smarte Fußball ist mit einem Sensor ausgestattet, der Daten über Geschwindigkeit, Drall sowie die Flugbahn erfasst. Per Bluetooth werden diese Daten an eine App weitergeleitet. Die zeigt dann unter anderem eine Auswertung der Daten und darauf basierende Trainingstipps an.

IFA 2016 und wie geht’s weiter?

Auch wenn dieser Blogbeitrag nur einzelne Produkte herausstellen kann, die auf der IFA vorgestellt wurden, wird trotzdem eines deutlich: Der große, produktgruppenübergreifende Trend lautet Digitalisierung. Zukünftig ist zu erwarten, dass der IT-Wertschöpfungsanteil in Consumer-Produkten weiter steigt, und diese nicht nur immer vernetzter werden, sondern auch einen immer größeren Platz in unserem Alltag einnehmen. Hierzu sind allerdings noch einige Entwicklungen notwendig, z.B. im Bereich der Datensicherheit. Außerdem fehlt vor allem bei den Smart-Home-Lösungen eine einheitliche Plattform, die als anbieterübergreifender Standard genutzt werden kann. Das würde Smart Home für Endverbraucher komfortabler gestalten und der Anwendung zu einer deutlich höheren Verbreitung verhelfen.

Die Autorinnen

ulla-nees
Ulla Nees
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Silva-Marie Spietz

 

 

 

 

 

 

 

Bildquelle: Ugis Riba / Shutterstock.com

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