Klassenfahrt der Tech-Industrie: Web Summit sagt Goodbye Dublin

Drei Tage Tech-Wahnsinn liegen hinter mir. Die Szene traf sich zum großen Meet and Greet. Organisiert von Paddy Cosgrave, hat der Web Summit eine kurze, aber bereits bewegte Geschichte hinter sich.

Kurz, weil erst vier Jahre alt. Bewegt, weil in den vier Jahren bereits zum Giganten aufgestiegen. Nach offiziellen Angaben einige Nullen dazu gewonnen – gewachsen von 400 Teilnehmern auf über 40.000 in diesem Jahr. Ein Quantensprung.

Im Funkloch

Das große Tech-Woodstock hatte massive Probleme genau mit dem, was im Mittelpunkt stehen sollte: mit der Technik. Erneut gab es Probleme mit dem WiFi und auch die App gab regelmäßig auf. Beides ist ein Blocker. Viel Zeit verpuffte auf der Suche nach Konnektivität. Und fast noch schlimmer: Die Kommunikation wurde eingeschränkt. Gleich mehrere ausgemachte Treffen sind in einem schwarzen Loch verschwunden. Das ist mehr als ärgerlich und reine Zeitverschwendung. Auch Twittern und Bloggen war nur bedingt möglich.

Ein Kongress, der den Anspruch hat, das Mekka zumindest der europäischen Internet-Industrie zu sein, sollte die Überlastung von Internet- und Telefonverbindungen vermeiden können. (Volker Schütz, horizont.net)

Happening der Ideen in einem Aquarium

Was ist der Web Summit eigentlich? Ein riesiger Spielplatz für Start-ups auf der Suche nach Geld und medialer Aufmerksamkeit. Neben den Bühnen mit Präsentationen und Diskussionen im Stakkato-Takt ist der Summit vor allem eins: ein Aquarium, in dem viele Fische (die Start-ups) von den Investoren betrachtet werden. Und das Aquarium ist voll, sehr voll. Eng wie in einer Sardinenbüchse stehen die Start-ups, aufgeteilt nach Alpha und Beta, an winzigen sogenannten Booths. Ein Quadratmeter Platz, eine einfache Wand und kein Tisch. Menschentrauben stehen vor den Wänden herum. Es ist schwer, den richtigen Gesprächspartner zu finden. Flächeneffizienter kann man das nicht planen. Es ist laut und warm. Klingt negativ? Stimmt. Aber…

Die Ideen und die Energie sind es wert

Es ist schwer zu sagen, für welche Start-ups sich der Invest wirklich gelohnt hat. Das hängt sicher davon ab, wie gut sie vorbereitet waren – und manchmal auch vom Zufall. Aber trotz allem ist der Web Summit eine Reise wert, alleine wegen der Atmosphäre. Sie ist positiv geladen. Wie ein schöner Sommertag, so einer, den man nicht mehr vergisst. Ideen sind im Überfluss vorhanden, inspirierende Gespräche inklusive. Gründer mit Ideen, die diese auch nach acht Stunden Messechaos mit glänzenden Augen erklären. Ideen, die teilweise wirklich gut sind – Nischen oder auch die breite Masse ansprechen. Innovationen, die den Kunden in den Mittelpunkt stellen. In Dublin war jede Menge positive Energie spürbar. Dieses Gefühl kann sogar den Ärger über die nicht funktionierende Technik beim Branchen-Treffen überdecken.

Von Einhörnern, Sportsmännern, bunten Schafen und Bier

Das nächste große Ding? Auch nach dem Web Summit eine unbekannte Größe. Eher sichtbar und viel besprochen sind die Einhörner. Unicorns are everywhere. Nicht nur, weil es ein paar verkleidete Gestalten gab. Vielmehr sind viele der aktuellen Einhörner der Tech-Szene am Start gewesen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Tinder. Der Co-Founder und CEO Sean Rad verkündete eine weitreichende Veränderung des Algorithmus. Angeblich erhöht sich so die Anzahl der Matches um 30 Prozent.

Ich würde an dieser Stelle gerne große Verkündungen machen. Aber solche Announcements blieben in diesem Jahr aus. Business as usual. Stattdessen stand mit Chris Froome ein Radrennsportler auf der Bühne und auf der Wiese zwischen den beiden Gebäuden des Web Summits grasten bunte Schafe. Schnell konnte man bei der fehlenden Qualität auf den Bühnen den Eindruck bekommen, dass das abendliche Bier beim Pub Crawl wichtiger war als die Veranstaltung selbst. Dort waren dann auch tatsächlich ein paar ausführliche Gespräche möglich. Wenn, ja wenn man sich erfolgreich durch den Dubliner Verkehr gewühlt hatte.

Und die Moral der Geschichte?

Geht hin und saugt den geballten Gründergeist auf, wenn ihr ein Investor oder ein Unternehmen seid, das einen kreativen Anschub braucht. Transportiert ihn und lasst die neuen Perspektiven in eure Produktentwicklung einfließen. Es geht immer besser, es geht immer anders. Viele Start-ups stehen in den Startlöchern, um mit ihren Ideen Märkte zu revolutionieren oder zumindest zu verändern. Bei allen Problemen des Web Summits: ein Besuch lohnt sich und vielleicht wird das Konzept in Lissabon neu gedacht (und die technischen Probleme gelöst). Goodbye Dublin, welcome Lissabon.

 

Bildquelle: Web Summit

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