Roboter schlägt Mensch? Beschäftigungseffekte der Digitalisierung

Ist die Digitalisierung Jobkiller oder Wirtschaftsmotor? Sowohl als auch. Die gute Nachricht: Roboter sind keine Konkurrenz für den denkenden Menschen.

Meine Kollegin Gabi Oldag hat sie hier im IT Management Blog bereits gestellt – die „Roboter-Gretchenfrage“: Freund oder Feind? Dass ein struktureller Wandel Ängste auslöst, ist nicht neu. Schon in der Frühzeit der Industrialisierung 1811 protestierten die Ludditen gegen die Einführung des mechanischen Webstuhls und zerstörten dabei gezielt Maschinen. Ein technologischer Fortschritt führt stets zu neuen Jobs, allerdings ist es ebenso Teil der Wahrheit, dass dafür andere Arbeitsplätze verloren gehen. Die Digitalisierung ist hier keine Ausnahme. Meine Kollegin kam in ihrem Beitrag zu einem interessanten Fazit: Wettbewerbsfähigkeit erfordert automatisierte Prozessabläufe sowie eine enge Zusammenarbeit von Mensch und Maschine. Dadurch werden Kapazitäten frei (Mensch), die anderweitig (kreativ) eingesetzt werden können. Dass der Mensch nicht gegen die Maschine gewinnen kann, verdeutlicht die Überlieferung von John Henry: Er trieb Sprenglöcher für den Tunnelbau in den Fels, und als seine Arbeit von neuen dampfgetriebenen Hämmern erledigt werden sollte, erbot er sich den Wettkampf aufzunehmen. Der Legende nach siegte John Henry, brach danach aber tot zusammen.

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln veröffentlichte im Oktober eine Studie, in der es die Beschäftigungseffekte der Digitalisierung beleuchtet. Klares Ergebnis: Es lässt sich kein empirischer Zusammenhang zwischen der wachsenden Digitalisierung und einem Personalabbau festmachen. Vielmehr ist es so, dass das Unternehmen 4.0 – charakterisiert durch eine intensive Beschäftigung mit Digitalthemen und eine hohe Relevanz des Internets für die Geschäftstätigkeit – es leichter hat, offene Stellen zu besetzen sowie gleichzeitig von deutlich wachsenden Mitarbeiterzahlen ausgeht: Während hier ca. 35 Prozent einen Anstieg erwarten, liegt der Wert bei „klassischen Unternehmen“ nur bei rund 16 Prozent. Die Digitalisierung wirkt als Wirtschaftsmotor.

Eine weitere Erkenntnis der Studie: Digitalisierungsaffine Unternehmen sehen eine steigende Nachfrage nach Akademikern (44 Prozent), bei der Kontrollgruppe sind es mit knapp 19 Prozent weniger als die Hälfte. Die Digitalisierung erfordert demnach eine Höherqualifizierung – damit wird sie im Umkehrschluss zum Jobkiller für einfache, repetitive Tätigkeiten.

Ein Blick über den großen Teich

Dass Digitalisierung und Arbeitsplätze nicht a priori ein Widerspruch sind, zeigt sich auch in den USA. Während die Arbeitslosenzahl 2011 (zwei Jahre nach der großen Rezession) noch auf hohem Niveau stagnierte, ist sie jetzt fast wieder auf das Vorkrisenniveau zurückgekehrt. Damit wird eine zentrale These des Soziologen und Ökonomen Jeremy Rifkin bis dato widerlegt. In seinem 1995 erschienenen Buch „The End of Work“ argumentiert er, dass sich die Arbeitslosigkeit im Zuge der Automatisierung und Ausbreitung der Informationstechnologie massiv erhöhen würde, während Millionen Arbeitsplätze in Herstellung, Einzelhandel, Landwirtschaft und Dienstleistungssektor durch die Digitale Revolution überflüssig werden (insbesondere in den USA).

Quelle: Bureau of Labor Statistics

Betrachtet man die Einkommensentwicklung in den USA zwischen 1963 und 2008 (siehe Folie 7) wird allerdings eines ganz deutlich: es kommt zu einer zunehmenden Spreizung – und zwar abhängig vom Qualifikationsniveau. Eine Entwicklung, welche die Digitalisierung mutmaßlich noch weiter verstärken wird.

Investitionen in den Menschen

Wie ist darauf zu reagieren? Es gibt eine kurz- und eine mittelfristige Lösungsoption. Erstere beinhaltet, durch staatliche Lenkung eine Umverteilung von Einkommen durchzuführen und so jedem vermeintlich eine soziale Teilhabe zu ermöglichen. Wesentlich wirkungsvoller ist die zweite Option – denn sie packt an der Wurzel an: Investitionen in die Fertigkeiten der Arbeitnehmer, in unternehmensinterne R&D-Projekte sowie die Beseitigung von staatlichen Hürden bei der Unternehmensgründung. Nur so kann auch in Hochlohnländern künftig ein Produktivitätswachstum gewährleistet werden. Dann kann die Digitalisierung zum Jobmotor werden – und zwar für alle.

 

Bildquelle: Shutterstock

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