Das 6. Element oder: In allem wird mobile Technologie stecken

Erst sah es so aus, als würde ein Nostalgie-Handy den echten Neuheiten die Show stehlen. Doch vom Mobile World Congress (MWC), der in diesem Jahr bereits zum 30. Mal stattfand, bekamen wir dann doch etwas mehr Substanz mit, als ein neues, altes Nokia 3310.

Motto des MWC war „The Next Element“, was aussagen soll, dass mobile Technologie in einer Welt, in der das Internet of Things (IoT) immer mehr zum beherrschenden Thema wird, in der Tat von elementarer Bedeutung ist. So verwundert es nicht, dass dem mobilen Netz der Zukunft, 5G, auch auf dem Kongress viel Aufmerksamkeit zuteil wurde. Denkt man z. B. an das autonome Fahren, so wird dies besonders deutlich: Sollen Autos zukünftig in Echtzeit miteinander und mit ihrer Umwelt kommunizieren, muss auch eine entsprechend schnelle Datenübertragung gewährleistet sein. Weitere starke Trends, die der MWC markierte, waren in diesem Jahr die Zwei-Kamera-Systeme, alles rund um die künstliche Intelligenz sowie ein neues Displayformat, nämlich 18:9.

Internet of Things (IoT) – das dominierende Thema in Barcelona

Internet of Things – also die Vernetzung und Kommunikation von Gegenständen miteinander – bildete das vorherrschende Thema auf dem MWC in diesem Jahr. Kein Wunder, greift es doch in alle Lebensbereiche ein:  Angefangen von Wearables, die – wie z. B. von der Korean Telecom angeboten – mittels Sensoren meinen Standort beim Skifahren bestimmen, bis hin zu smarten Spiegeln im Retail-Bereich, die tägliche News-, Unterhaltungsangebote oder auch Schmink-Tutorials um das eigene Spiegelbild anordnen. Auch im Straßenverkehr ist die Vernetzung auf dem Vormarsch, Stichwort „Connected Car“. Und so lassen sich die Beispiele vielfältig fortsetzen, in denen Dinge miteinander kommunizieren, Informationen austauschen, sich gegenseitig steuern, die bisher einfach nur „Sachen“ waren. Der Miet-E-Roller von BMW rechnet mein Fahrvergnügen künftig direkt mit Visa ab. Bezahl- und Sharing-Modelle von morgen.

5G – der neue Standard?

Grundlegende Voraussetzung für das IoT – so die Meinung einiger Experten – ist ein neuer Mobilfunkstandard: 5G. Dieser ist in etwa 10 Mal so schnell wie der derzeitige Standard LTE und ermöglicht so Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 20 Gigabit/Sekunde. Aufgrund der Tatsache, dass pro Quadratkilometer mindestens eine Million Geräte eine Verbindung aufbauen können, eignet sich 5G auch, um entlegene Gebiete ohne Glasfaseranschluss mit schnellem Internet zu versorgen. In Deutschland fehlt für den neuen Standard allerdings noch die passende Infrastruktur. Dieser benötigt nämlich höhere Frequenzbänder und die Funkstationen müssten in einem deutlich kürzeren Abstand aufgestellt werden. Nichtsdestotrotz wird die Zukunftsmusik rund um 5G merklich lauter. 2020 soll in Deutschland ein kommerzieller Regelbetrieb starten. Wie bei wahrscheinlich allen neuen Technologien sind auch in diesem Fall die Meinungen von Experten geteilt: Während Telekom-Chef Timotheus Höttges der Meinung ist, dass 5G die Art, wie wir leben und arbeiten, drastisch verändern wird und auch Christoph Bach (Ericsson) 5G als „Game Changer“ bezeichnet, sind  Analysten des Bankhauses HSBC deutlich zurückhaltender. Sie sehen in 5G im Vergleich zu 4G bzw. LTE eher eine Evolution als eine Revolution.

Virtual Reality – Durchbruch oder Bruchlandung?

Wie im Bereich der 5G Technologie, scheiden sich auch beim Thema „Virtual Reality“ die Geister. Während mancher Experte im Vergleich zum vergangenen Jahr beobachtet, dass dem Thema „die Luft ausgegangen ist“ und noch einige Probleme – wie z. B. eine stabile Datenübertragung oder auch die Stromversorgung – sieht, beurteilen andere Experten die Lage entgegengesetzt: Nach deren Urteil wird das Thema 2017 den entscheidenden Durchbruch erleben. Dies begründen sie z.B. mit der Tatsache, dass Unternehmen, wie die Telekom und Zeiss, kooperieren, um die Zukunft von Datenbrillen voranzutreiben. Fakt ist, dass auf dem MWC einige Anbieter Neuigkeiten im Gepäck hatten. So stellte HTC die kabellose VR-Brille Vive vor, die dank Akku und Funkverbindung ohne größere Qualitätsverluste kabellos Daten zwischen PC und Vive übertragen kann.

Xperia Touch von Sony – eine wirkliche Innovation

Der Küchentisch oder die Wand als flexibler Touchscreen? Mittels der SXRD-Display-Technologie des Xperia Touch von Sony kann sich praktisch jede Ebene in einen Touchscreen verwandeln. Möglich machen das Infrarottechnik und eine eingebaute Kamera, die die Bewegungen des Nutzers in Echtzeit übertragen. Inwieweit der Plan von Sony, Freunde und Familie hierüber wieder an einen Tisch und beispielsweise zum gemeinsamen Spielen zu bewegen, bleibt abzuwarten. Zwar ist das Xperia Touch, das mit einem Android Betriebssystem läuft, sowohl mit der PlayStation Remote als auch mit dem Google Play Store kompatibel, hat aber den stolzen Preis von 1.499 Euro.

Mobiltelefone – das Thema auf dem MWC 2017? Nein!

Dem früheren Kernthema des MWC – den Mobiltelefonen – kam in diesem Jahr eine eher untergeordnete Rolle zu. Zwar stellte beispielsweise Huawei sein P10 vor, das z. B. dadurch besticht, dass Apps wie Facebook oder WhatsApp doppelt installiert und mit zwei unterschiedlichen Accounts genutzt werden können. Der eigentliche Star unter den Neuheiten war allerdings ein alter Bekannter und Held einer ganzen Generation: das Nokia 3310. Dabei provoziert es geradezu mit Eigenschaften, die in der heutigen Zeit eigentlich als absolute No-Gos gelten: weder Touchscreen, noch LTE – geschweige denn 3G – hat das Nokia 3310 zu bieten und aufgrund des Betriebssystems Series 30+ ist noch nicht einmal Kommunikation mittels WhatsApp möglich. Es bleibt abzuwarten, ob Faktoren wie der Preis von derzeit 49€ und die Tatsache, dass Snake in einer modernen Optik zurück ist, dem Absatz des 3310 in ausreichendem Maße dienlich sind. Wie so manches Mal im Leben, sind es aber vor allem jene, die nicht anwesend sind, die für Gesprächsstoff sorgen. So lässt die Tatsache, dass Samsung sein Topmodell, das Galaxy S8, nicht wie sonst üblich auf dem MWC, sondern erst am 29. März vorstellen wird, Raum für Spekulationen.

Der MWC und die Automobilbranche

Fernab und doch ganz nah am Thema Mobilfunk hatten sich verschiedene Automobilhersteller positioniert. So wird BMW beispielsweise zukünftig 5G in seiner Dachantenne integrieren und Mercedes neben Spritpreisen auch freie Parkplätze in der Navigationskarte darstellen. Schon im Sommer diesen Jahres wird die erste App eines Autoherstellers mittels Apple CarPlay verfügbar sein: Seat ist es gelungen, eine solche App zu positionieren und wird Kunden darüber zukünftig Informationen zum Fahrzeugstatus oder zu Händlern in der Nähe zur Verfügung stellen.

Nicht, nichts Neues

Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass das Urteil „nichts Neues“ dem MWC 2017 Unrecht tun würde, da es schon die ein oder andere Neuerung gibt. Zwar keine „Game Changer“, aber wichtige Etappen auf dem Weg in ein neues Zeitalter. Wenn jedoch ein alter Bekannter, wie das Nokia 3310 eines der Highlights einer solchen Veranstaltung ist, kann man – zumindest für das Jahr 2017 – nicht wirklich von überragenden Innovationen sprechen.

 

Bildquelle: Shutterstock

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