Datenmigration: Notwendiges Übel oder Optimierungstool?

Datenmigrationen sind oft ein Beiprodukt von Sprach- oder Architekturmigrationen – dabei bringen sie ganz eigene Vorteile mit sich. 

Beim Stichwort Migration denkt man in der Regel an die Umstellung des Codes oder der Architektur einer Anwendungslandschaft. Die Datenmigration wird hingegen eher stiefmütterlich behandelt. Oft ist sie in Kombination mit anderen Migrationsschritten unabdingbar: Stellt man z.B. eine Host-Anwendung auf Java/Linux um, stehen die Altdaten der neuen Version nicht mehr zur Verfügung (fehlende Zugriffsmechanismen). Außerdem können aufgrund proprietärer Datenformate die Altdaten nicht vom Host-System kopiert werden und es müssen andere Extraktionsmechanismen gefunden werden. Was vergessen wird: Auch mit reinen Datenmigrationen sind interessante Optimierungen realisierbar.

Steigerung von Wartbarkeit und Wiederverwendbarkeit

Ab einer gewissen Komplexität verwendet jede Anwendung einen eigenen Datenhaushalt. Ein typisches Beispiel für die Datenzugriffsschicht sind indizierte oder sequenzielle Dateien (ISAM/SAM) auf Host-Systemen, welche über integrierte Sprachkonstrukte (bspw. READ, WRITE in COBOL) angesprochen werden. Durch die tiefe Verflechtung dieser Zugriffsmechanismen in Legacy-Betriebssystemen eine hoch performante Vorgehensweise – allerdings nur schwer wartbar.

SQL-basierte Datenbankensysteme sind dagegen strukturiert, standardisiert und können dank des hohen Verbreitungsgrades zu einer effizienteren Entwicklung beitragen. Durch die hohe Interoperabilität steht der Datenhaushalt darüber hinaus für weitere Applikationen, z.B. Reporting und Data-Mining, zur Verfügung. Nicht zu vergessen sind positive Monitoring- und Performance-Aspekte: Mit geringfügigen Eingriffen in der Zugriffslogik können teilweise beachtliche Steigerungen erzielt werden – z.B. wenn man die Einzelsatzverarbeitung auf ISAM-Dateien durch eine Mengenverarbeitung auf SQL-Datenbanken ersetzt.

Automatisierte Datenmigration

Da die Datenbestände von Legacy-Anwendungen in der Regel sehr groß sind – sowohl im Volumen, als auch in der Anzahl der Datenformate – empfiehlt sich ein automatisiertes Vorgehen. Das folgende Schaubild zeigt einen Mechanismus, der vollautomatisiert alle Datenformate einer Legacy-Anwendung erkennt und entsprechende Export-, Import- sowie Zugriffsprogramme für die neue Sprache/Architektur generiert. Diese können dann genutzt werden, um zu einem beliebigen Zeitpunkt einen Snapshot des Datenhaushalts zu erstellen, auf die neue Plattform zu übertragen und darauf aus der migrierten Anwendung zuzugreifen.

Datenmigration
Ablauf einer vollautomatisierten Datenmigration; Bildquelle: PASS

In der Praxis mausert sich die Datenmigration vom notwendigen Übel zu einem wichtigen Optimierungstool im Arsenal der Migrationstechnologien. Ein Blick auf die Potenziale lohnt sich!

 

Bildquelle: Shutterstock

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