IT-Modernisierung 2015 – wo stehen wir heute?

IT-Modernisierung 2015 – wo stehen wir heute?

Die Modernisierung von IT-Landschaften und die damit häufig verbundene Ablösung von Legacy-Systemen sind auch 2015 topaktuelle Themen. Aber neuen Technologien und automatisierten Migrationsverfahren zum Trotz ist der IT-Modernisierungsprozess noch lange nicht abgeschlossen. Warum eigentlich?

Die Computerwoche hat sich bereits 2008 mit den vorherrschenden Hürden der IT-Modernisierung auseinandergesetzt und in diesem Zuge sieben grundsätzliche Hindernisse herausgearbeitet: Neben den selten vorhandenen Budgets für eine Systemablösung stellen unter anderem die Faktoren Zeit und Ressourcenmangel ernst zu nehmende Hemmnisse zeitgemäßer Softwarelandschaften dar. IT-Verantwortliche und Mitarbeiter (sowohl aus dem IT- als auch dem Fachbereich) sind häufig voll und ganz mit dem laufenden Betrieb beschäftigt. Für langwierige und komplexe Migrationsvorhaben, insbesondere für Anwendungen, die „doch eigentlich laufen“, ist oft keine Zeit. Diese Erkenntnisse bestätigt das Marktforschungsunternehmen Lünendonk ganze sechs Jahre später in seinem Whitepaper „Software-Modernisierung. Im Spannungsfeld zwischen Zwangsläufigkeit und Aufwand.“

Dabei sollten Migrationsprojekte heutzutage doch eigentlich leichter vonstattengehen können denn je zuvor. Doch warum setzt ein Großteil der etablierten Unternehmen auch heute noch auf Legacy-Systeme, deren Wartungsaufwand von Jahr zu Jahr steigt und für die das passende Know-how schon lange nicht mehr problemlos zu finden ist? Wie weit ist die IT-Modernisierung mittlerweile vorangeschritten – wo stehen wir 2015?

Die Hürden der IT-Modernisierung 2015

Nur wenige der 2008 ermittelten Hürden der IT-Modernisierung haben bis heute an Aktualität eingebüßt. Beispielsweise machen sich die IT-Verantwortlichen in den Unternehmen auch 2015 noch große Sorgen darüber, dass die Qualität ihrer Anwendungslandschaften unter möglicherweise vorschnell getroffenen Entscheidungen und dem Wechsel hin zu aktuelleren Technologien leiden könnte. Gleichzeitig herrscht vielerorts noch immer die Angst, ein Risiko einzugehen und damit Kopf und Kragen zu riskieren. Legacy-Anwendungen sind historisch gewachsene Anwendungen, die sehr individuell auf die Anforderungen der Unternehmung zugeschnitten sind. Nicht selten bilden solche Anwendungen unternehmenskritische Prozesse ab und diese möchte man eben ungern anfassen.

Die Hürde der fehlenden Information zu neuen Technologien und die damit verbundene Unsicherheit bezüglich der Auswahlmöglichkeiten gehören glücklicherweise der Vergangenheit an. Open-Source-Systeme und Java-Applikationen haben sich schließlich schon lange auf dem Markt etabliert. Und erfolgt vor einer Migration eine ausführliche Analyse der Zielarchitektur, dürfte einer informierten und letztendlich gewinnbringenden Entscheidung eigentlich nichts mehr im Wege stehen.

Automatisierte Migration als Hürdenspringer

Dennoch sind leider noch immer viele der aufgeführten Migrationshindernisse fest in den Köpfen der IT-Entscheider verankert, obwohl sie das eigentlich gar nicht mehr sein müssten, zumindest nicht in diesem Ausmaß. Seit vielen Jahren bereits befinden sich automatisierte Migrationsverfahren im Einsatz, die eine ganze Reihe der vorherrschenden Modernisierungshürden wenigstens teilweise überspringen können.

So sind dank der Migrationsautomatisierung die Kosten für IT-Modernisierungsprojekte beispielsweise erheblich gesunken. Und auch der Zeitfaktor muss heutzutage nicht mehr solch eine große Rolle spielen wie noch zu Zeiten manueller Migrationsverfahren. Modernisierungsansätze ziehen sich inzwischen nicht mehr über mehrere Jahre hinweg, sondern können schon nach wenigen Monaten abgeschlossen sein. Galt es darüber hinaus vor einiger Zeit noch als regelrechter Balanceakt, seine Arbeitszeit zwischen dem Tagesgeschäft und der Mithilfe an der IT-Migration geschickt aufzuteilen, hat sich der Anteil der menschlichen Leistung durch automatisierte Verfahren mittlerweile drastisch reduziert. Durch dieses Herausstreichen des Faktors Mensch aus dem Prozess sinkt übrigens auch die Fehlerquote in Migrationsprojekten.

Vollends durchgesetzt hat sich das Verfahren der automatisierten Migration aber trotz seiner vielfältigen Optimierungspotenziale bisher noch nicht. Zu groß ist die Skepsis der Betroffenen, die sich nur schwer vorstellen können, wie eine Migration Factory automatisiert all das erledigen kann, womit sich mehrere IT-Experten ehemals über Jahre hinweg beschäftigten. Dabei können aber insbesondere bei einem mehrstufigen Migrationsverfahren die Anforderungen des Kunden, beispielsweise bezüglich Architektur, Styleguide und Performance, sukzessive angepasst und optimiert werden. Ein Proof-of-Concept (Machbarkeitsstudie) zu Beginn kann den IT-Verantwortlichen auch die Angst nehmen, ein Risiko einzugehen.

Wird 2015 das Jahr der IT-Modernisierung?

Im Bereich der IT-Modernisierung hat sich in letzter Zeit einiges getan. Das Verfahren der automatisierten Migration beinhaltet großes Potenzial und eine Vielzahl an Migrationsprojekten wurde dank dieser neuen Technologie bereits erfolgreich abgeschlossen. Nichtsdestotrotz gilt die Skepsis der IT-Verantwortlichen aber noch nicht als besiegt, obwohl das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer umfangreichen Modernisierungsstrategie bereits bei vielen vorhanden ist. Immerhin liegen die IT-Kosten für Wartung und Betrieb bestehender Anwendungen laut unterschiedlicher Quellen zwischen 60 und 90 Prozent – diese Zahlen sprechen eindeutig für sich. Nur durch Modernisierung kann Budget für neue, innovative Ansätze und Projekte geschaffen werden.

Die vielversprechenden Möglichkeiten neuer, automatisierter Migrationsverfahren, die bei steigender Qualität sowie Produktivität gleichzeitig den Kosten- sowie Zeitaufwand senken, dürften im Laufe der nächsten Jahre einen Großteil der Unternehmen überzeugen. Ich denke, wir befinden uns auf einem guten Weg.

 

Bildquelle: Shutterstock

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.