Hilfreich oder nicht? Die BPM-Marktanalyse 2014

Die Marktanalyse Business Process Management des Fraunhofer-Instituts soll Unternehmen als hilfreicher Leitfaden dienen. Aber kann sie wirklich Orientierung bieten? Ich sage: Nur eingeschränkt. Das liegt allerdings nicht an der Studie, sondern an den untersuchten Tools.

Das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE) hat 2014 erneut eine Studie zu Business-Process-Management-Tools durchgeführt – 18 wurden genauer unter die Lupe genommen. Das Ziel ist klar: Unternehmen sollen einen qualitativen Marktüberblick über BPM-Suites erhalten, entlang der eigenen Anforderungen die passende Lösung schnell und sicher evaluieren können. Das spart wertvolle Zeit und gibt das gute Gefühl, auf ein neutral ermitteltes Ergebnis aufzusetzen.

BPM-Tools im Test

Untersucht wurden nicht nur die reinen Funktionen der BPM-Tools, sondern auch nicht-funktionale Aspekte wie Einfachheit, Änderbarkeit, Integrierbarkeit und Brauchbarkeit im Alltagskontext – also die Einsatzmöglichkeiten. Das ist mehr, als andere Studien bieten. Die Untersuchung erfolgte in Form von Lösungspräsentationen seitens der Anbieter sowie durch ein- bis-zweitägige Tests der Werkzeuge auf Basis eines umfangreichen Kriterienkatalogs. Die Tester waren unabhängige BPM-Experten des Fraunhofer-Instituts.

Hersteller erhalten mit dieser Studie die Gelegenheit, sich und ihr Tool vorzustellen. Kein Wunder, dass die Teilnehmerzahlen steigen: Hatten sich 2013 noch acht Lösungsanbieter beteiligt, waren es 2014 bereits 20 (20 Hersteller hatten sich beworben, 18 wurden letztendlich untersucht). Verstärkt wird die Bedeutung der Untersuchung dadurch, dass die Analyse durch ein repräsentatives und qualifiziertes Institut wie das IESE erfolgt.

Prozessmanagement und -automatisierung rücken in den Fokus

Viel wichtiger als die Hersteller sind bei dieser Studie aber die Unternehmen, die noch nach einem geeigneten BPM-Tool suchen. Ihnen soll eine Orientierungshilfe an die Hand gegeben werden. Steigender Kosten- und Produktivitätsdruck sowie sich permanent wandelnde Marktanforderungen – den meisten Unternehmen ist durchaus klar, dass bei der Geschäftsprozessautomatisierung und Verschmelzung automatisierter Supply-Change-Prozesse ein hoher und zügiger Handlungsbedarf besteht. Die Zukunft ist das Real Time Enterprise.

Dennoch zögern viele Unternehmen nach wie vor, BPM-Tools einzusetzen und die notwendigen Investitionsmittel bereitzustellen. Nicht selten fehlt schlicht das Wissen, wie man beginnen soll. Wer soll sich mit der Analyse und Dokumentation der Prozesse beschäftigen oder sich womöglich auch gleich an deren Automatisierung wagen? Dabei besitzt jedes Unternehmen das Wissen über die fachlichen Geschäftsprozesse. Sind die strategischen Überlegungen und die daraus abzuleitenden operativen Umsetzungen doch nicht so klar für die Unternehmen? Oder scheitert es an der Beantwortung der Frage, welche BPM-Suite unter der Vielzahl von Systemen am Markt die richtige ist?

Was bringt die Fraunhofer-Studie?

An genau diesem Punkt versucht die Studie des Fraunhofer-Instituts anzusetzen. Was bringt uns aber ein Ergebnis, das nicht eindeutig ist? Sämtliche Tools liegen in ihrer Bewertung zwischen „angemessen“ (Anwendung/Komfort) und „gut“ (Funktionalität/Mächtigkeit). Was heißt das für unentschlossene Unternehmen? Für Anwender, die eine „perfekte“ Lösung suchen? Sollen sie würfeln – oder gar nicht erst ein Tool einsetzen? Das Fraunhofer-Institut bietet hierfür immerhin einen Entscheidungsbaum, der es ermöglicht, das beste Produkt nach Kategorie herauszufiltern.

Ich frage mich allerdings, ob sich Unternehmen mit BPM-Tools zufrieden geben müssen, die im Durchschnitt als „gut“ bewertet wurden und nur in einzelnen Kategorien ein „hoch“ (sehr gut) erzielen konnten. Dürfen sie nicht den Anspruch nach einem „perfekten“ Produkt haben? Dieser Frage werde ich in einem Folgebeitrag nachgehen.

 

Bildquelle: Shutterstock

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