Activiti 6: Fortsetzung einer Erfolgsgeschichte?

Open Source ist auch bei Business-kritischen Applikationen auf dem Vormarsch. Dank Activiti heißt es beispielsweise: bye, bye proprietäre Process Engine.

Mittlerweile ist es fast fünf Jahre her, dass die Hauptentwickler der Workflow Engine jBPM von JBoss Tom Baeyens und Joram Barrez zu Alfresco wechselten und Activiti entwickelten. Die neue Lösung stieß bereits nach kurzer Zeit auf eine hohe Resonanz in der Community. Nicht zuletzt, weil Activiti sich durch zahlreiche attraktive Merkmale von den etablierten Process Engines der großen Marktplayer wie Oracle unterscheidet:

  • Leichtgewichtige Process Engine: Der eigene Process Server ist Vergangenheit; als Bibliothek in eine Anwendung integrierbar.
  • Ressourcenverbrauch: Activiti hat im Vergleich zu großen, kommerziellen Lösungen einen deutlich geringeren Hauptspeicherverbrauch. In einem großen Produktionsszenario lag der Vorteil bei > Faktor 4. Dadurch reduzieren sich Hardware- und damit Betriebskosten.
  • Schnelligkeit: Kurze Latenz und hoher Durchsatz; sehr gute Skalierung.
  • Schnelle Produktreife: Bereits nach einem halben Jahr erreichte Activiti mit der Version 5.8 einen Reifegrad, der einen Einsatz im produktionskritischen Umfeld erlaubte.
  • Grafische Modellierungsoberfläche (z.B. als Plugin in Eclipse): Sehr gut in einen typischen Java-Entwicklungsstack integrierbar.

Activiti in der Praxis

Dass Activiti auch bei Business-kritischen Applikationen eine Option ist, zeigt das Modernisierungsprojekt eines großen deutschen Telekommunikationskonzerns. Hier wurde das Ordermanagement – ein komplexes System mit synchronen und asynchronen Services, persistenten Prozessen und hohen Anforderungen an Performance und Verfügbarkeit – von einer proprietären Process Engine (Oracle BPEL-Engine) auf Activiti überführt. Im Ergebnis steigerte sich die Performance durchschnittlich um 50 Prozent, in der Spitze sogar um 100 Prozent. Außerdem wurde die Hardware durch den geringeren Ressourcenverbrauch um die Hälfte reduziert.

Activiti 6: Was ist neu?

Und wie sieht die Zukunft aus? Eine Antwort darauf gab der Activiti Community Day in Paris im Juni 2015. Mit Activiti 6 steht ein neuer Major-Versionssprung an. Hierbei handelt es sich um eine Weiterentwicklung der Activiti-5-Engine mit etlichen Erweiterungen und Verbesserungen in Design, Implementierung sowie bei den unterstützenden Tools:

  1. Robustheit
    Activiti ist grundsätzlich sehr stabil. Bei komplexen Prozessen mit einer sehr hohen Zahl an wiederholend aufgerufenen Schleifen konnte allerdings eine StackOverflowException produziert werden – ein Fehler, der in Version 6 beseitigt wurde. Für Kunden, die ihre Projekte mit dem Activiti-Fork Camunda BPM realisieren, steht ein solcher Bugfix ebenfalls seit Kurzem zur Verfügung.
  2. Performance
    Performanceseitige Weiterentwicklungen, insb. durch eine asynchrone Historisierung sowie Bulk-Operationen in der Datenbank.
  3. GUI
    Weiterentwicklung des Form-Editors, um Masken für User-Tasks definieren zu können.
  4. Abwärtskompatibilität
    Eine Abwärtskompatibilität von Activiti 6 zu Activiti-5-basierten Prozessen wird als Muss-Anforderung versprochen.
  5. BPMN 2.0-Modellierungsumfang
    Weitere Abdeckung mit Eventtypen.

Großes Zukunftspotenzial

Der Markt für leichtgewichtige Process Engines ist bei Weitem noch nicht ausgeschöpft, und die neue Activiti-Version stellt eine evolutionäre Weiterentwicklung dar, um diesen zu bedienen. Zumal sie zeigt, dass Rückmeldungen aus Projekten aktiv aufgegriffen und umgesetzt werden. Vor allem bei hohen Anforderungen an Performance und Skalierbarkeit ist Activiti ein leistungsstarkes Produkt. Davon abzugrenzen sind Szenarien, in denen eine Workflow Engine für die Modellierung fachlicher Geschäftsprozesse genutzt wird. Ein zweiter großer Einsatzbereich von Activiti ist der als integrierte Komponente in den Produktangeboten von Anbietern. Der US-Softwarehersteller Mulesoft geht diesen Weg und auch wir bei PASS verfolgen mit unserer Software Factory diesen Ansatz.

Der künftige Erfolg hängt damit vor allem von einer Ausweitung der Activiti-Supportangebote am Markt ab, dann können auch große Anbieter wie IBM, Oracle oder die Software AG substanziell bedrängt werden. Die Strategie der Kombination von Open Source mit kommerziellen Supportangeboten verfolgt auch das Activiti-Pendant Camunda BPM. In meinem nächsten Blogbeitrag werde ich näher auf die unterschiedlichen Supportmodelle im BPM-Umfeld eingehen.

 

Bildquelle: Shutterstock

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.