Die Apple Watch zwischen Revolution und überzogenen Erwartungen

Noch nicht auf dem Markt, wird die Apple Watch trotzdem bereits als Game Changer gefeiert, der Wearables zum Mainstream macht und ganz nebenbei die Arbeitswelt revolutioniert. Zu Recht?

Seit Montagabend ist es offiziell: Die Apple Watch kommt am 24. April nach Deutschland. Lange genug hat es gedauert – und die Konkurrenz (insbesondere aus Korea) hat nicht geschlafen. Nach ersten Gerüchten über eine iWatch stürzten sie sich auf das gleiche Konzept. Was Apple anfasst, muss ja gut sein. Prompt floppte die Galaxy Gear und auch andere Uhren konnten am Markt nicht so recht Fuß fassen. Die Akzeptanz der breiten Masse fehlt. Auf den ersten Blick bietet die Apple Watch keine wesentlich anderen Funktionalitäten als die Konkurrenz. Sie dient lediglich als kleiner Zusatzbildschirm für das Smartphone, Apps sind nicht nativ auf der Uhr ausführbar. Dazu kommen immer neue Negativschlagzeilen: So ist von einer geringen Akkulaufzeit und deutlichen Einschränkungen für Entwickler die Rede. Kritik, die an das erste iPhone erinnert…

Apple Watch soll ganze Branchen ändern

Cook gibt sich selbstbewusst und kündigt an, mit der Apple Watch die komplette Arbeitswelt umzukrempeln. So hat Apple bereits mit Hotels Kooperationen ausgehandelt: Nutzer der Apple Watch sollen mit der Uhr im Hotel einchecken können und sie dient auch als Schlüsselkarte für das Hotelzimmer. Damit würde der komplette Check-In-Prozess durch die Apple Watch ersetzt. Die US-Sandwichkette Panera Bread arbeitet an einer Bezahlanwendung und der CRM-Dienstleister Salesforce will einen direkten Zugriff auf Kundendaten über die Uhr möglich machen. In der Logistik könnte die Smartwatch z.B. den Lagerarbeiter mit Navigationsanweisungen versorgen. Neben dem B2C- nimmt Apple offenbar gezielt den Geschäftskundenmarkt ins Auge. Das unterstreicht auch die Partnerschaft mit IBM. Zuletzt stellte diese mobile Anwendungen für Finanzsektor, Luftfahrt und Einzelhandel vor – auch in diesem Kontext dürfte die Apple Watch zukünftig eine Rolle spielen.

Smartwatches und die Unternehmens-IT

All dies führt dazu, dass der Apple Watch momentan deutlich mehr Potenzial zugeschrieben wird als anderen Smartwatches. Der Unterschied: Apple verspricht nicht nur ein Produkt zu liefern, sondern gleich auch funktionierende Anwendungsbereiche. Damit stehen die Chancen, sich im Business-Umfeld zu etablieren, grundsätzlich nicht schlecht. Sollte die Investmentfirma J.P. Morgan zudem Recht behalten und Apple im ersten Verkaufsjahr über 26 Millionen Geräte absetzen, stehen Unternehmen über kurz oder lang vor der Aufgabe, Smartwatches in die IT zu integrieren. Das wirft Fragen rund um die Themen Bring-your-own-device und Datenschutz auf. Zumal Apple neben der Arbeitsweise auch das Verhalten der Mitarbeiter revolutionieren will. So ist es laut Cook bei Apple inzwischen so, dass Mitarbeiter in Meetings zehn Minuten vor der vollen Stunde plötzlich aufstehen – weil die Uhr sie daran erinnert, nicht zu lange zu sitzen. Was unter Gesundheitsaspekten attraktiv erscheint, erfordert im Zweifelsfall aber auch die Erhebung sensibler personenbezogener Daten.

Top oder Flop?

Ob Apple mit seiner Uhr wirklich der große Wurf gelingt, werden die nächsten Monate zeigen. Potenzial ist vorhanden. Aus Entwicklersicht bietet die Apple Watch zahlreiche spannende Ansatzpunkte – gerade im Business-Umfeld. Bis zum Mainstream-Produkt dürfte es allerdings so oder so noch ein gutes Stück Weg sein. Jetzt schlägt erst einmal die Stunde der Early Adopter.

Wie sehen Sie das? Wird die Apple Watch zum Revolutionär der Arbeitswelt oder bleiben Wearables ein Nischenprodukt für technikaffine Privatanwender?

 

Bildquelle: aradaphotography / Shutterstock.com

2 Gedanken zu “Die Apple Watch zwischen Revolution und überzogenen Erwartungen”

  1. Andreas Rinner

    Andreas Rinner

    ca. 400 EUR für die günstigste Variante Watch Sport, über 600 EUR für die mehr business-orientierten Modelle bis über 10.000 EUR für einzelne Editionsmodelle machen deutlich, dass das Produkt im Hochpreissegment positioniert ist. Dort befinden sich bereits Marktplayer wie bspw. die Withings Activité für gesundheits- und zugleich technikaffine Nutzer, die ebenfalls einen Zielmarkt ansprechen, der über das entsprechende „Kleingeld“ verfügt. Werden sich diese Nutzer bspw. für einen Activity Tracker im edel anmutenden analogen Design, Made in Suisse entscheiden oder für die Apple Watch – einen im digitalen Look gehaltenen Alleskönner, der ebenfalls Fitnessdaten tracken, Kalender, Nachrichten und Telefonanrufe entgegennehmen kann (also ein Art iPhone Light)?
    Sicherlich – die Apple Watch wird sich gut verkaufen und gerade zu Verkaufsbeginn einen Boom mit entsprechenden Lieferzeiten auslösen. Allerdings wird sich auf Sicht ein vergleichbarer revolutionärer Erfolg wie mit dem iPhone voraussichtlich nicht wiederholen. Dazu ist das Produkt nicht klar genug positioniert. Im Preissegment zwischen 400 und 1.000 EUR konkurriert die Apple Watch mit Life-Style-Uhren die für spezielle Zwecke entwickelt wurden (siehe Withings Activité). Im Luxussegment von deutlich über 1.000 EUR konkurriert die Apple Watch mit Nobelmarken, die eine teilweise mehr als 100 jährige Tradition aufweisen und neben der qualitativen Exzellenz starke Leistungsmerkmale mitbringen. Wer bspw. über 10.000 EUR für eine Rolex Submariner ausgibt kann mit dieser Uhr auch tauchen – davon wird bei der Apple Watch dringend abgeraten. Will jemand, der über 10.000 EUR für eine Uhr ausgibt, das gleiche Modell tragen wie jemand der die sportive Variante für 400 EUR erwirbt. Nicht jeder in diesem Zielmarkt wird diese Frage mit ja beantworten.

  2. Matthias Wilhelm

    Ich kann den geschäftlichen Nutzen der Apple Watch gegenwärtig noch nicht erkennen. Sich daran erinnern zu lassen, dass man sich seit einer Stunde nicht von seinem Schreibtischstuhl erhoben hat, ist mir als Anwendungsszenario im Business-Bereich noch zu wenig.

    Gleichwohl mache ich mir als Steuerberater natürlich schon jetzt Gedanken, wie sich aus dieser von Apple als Livestyle-Produkt positionierten Uhr ein betrieblicher Nutzen ableiten lässt. Denn spätestens mit deren Verkaufsstart wird sich bei vielen Freiberuflern und Gewerbetreibenden die Frage nach der Möglichkeit einer Zuordnung der Uhr zum Betriebsvermögen stellen.

    Hoffen wir also, dass möglichst viele Softwareentwickler ganz viele sinnvolle Business-Apps für die Apple Watch entwickeln. Dann sollte dem Finanzamt auch dargelegt werden können, weshalb ein Betriebsausgabenabzug für die Anschaffungskosten der Uhr zuzulassen ist!

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