Die versteckten Botschaften der Java EE Community Survey

Die versteckten Botschaften der Java EE Community Survey

In der Enterprise-Java-Welt rumort es derzeit wieder gewaltig. Oracle scheint keine klare strategische Ausrichtung zu finden.

Die Java Enterprise Edition ist eine Sammlung von Standards für die Entwicklung von Unternehmensanwendungen. Dass Oracle das Engagement in diesen Spezifikationen reduziert hat und zum wiederholten Mal den Veröffentlichungstermin der kommenden Version 8 verschoben hat, sorgte für großen Unmut in der Szene. Um dem öffentlichen Druck zu begegnen, hat Oracle eine Umfrage unter den Nutzern gestartet, deren Ergebnisse im Dezember veröffentlicht wurden.

Die Platten der Beatles muss man rückwärts abspielen, um alle Botschaften zu hören, und auch bei dieser Umfrage muss man zwischen den Zeilen lesen, um alle versteckten Botschaften wahrzunehmen.

Who cares?

Nur 1.693 Entwickler haben sich an der Umfrage beteiligt. Die Umfrage wurde am 16. September pünktlich zur JavaOne 2016 gestartet und in der Keynote von Anil Gaur, Vice President Software Development bei Oracle, beworben. Auf der JavaOne waren rund 7.000 Besucher, außerdem wurde die Keynote auf mehreren Kanälen gestreamt. Trotzdem konnten sich durchschnittlich nur knapp 40 Personen pro Tag dazu aufraffen, die 21 Fragen zu beantworten.

Zum Vergleich: Bei der ersten Umfrage zu Java EE 8 waren es noch „einige Tausend“. Die Umfrage zu Java Tools and Technologies des Tool-Herstellers ZeroTurnaround konnte 2.040 Teilnehmer motivieren (von denen 31 Prozent JEE 7 benutzen). Die StackOverflow Developer Survey 2016 hatte 56.033 Teilnehmer.

Europe first

Auch die globale Verteilung der Teilnehmer ist bemerkenswert. Europa und vor allem Deutschland ist deutlich überrepräsentiert, das Silicon Valley dagegen nur sehr zurückhaltend vertreten. Indien, Russland, China und Brasilien (BRIC) haben die Umfrage weitestgehend ignoriert.

Globale Verteilung der Teilnehmer an der JEE-Comunity-Umfrage; Quelle: Oracle, Java EE Survey Results and Java EE 8

Es ging gar nicht um Java EE

Auch wenn der Titel der Umfrage anderes vermuten lässt: Nur bei einem Drittel der Fragen ging es überhaupt um Java EE 8. 13 der 21 Fragen waren nach dem Muster „How important is X for the next generation of cloud and microservices applications?“ gestellt. Nicht alles, was für die Cloud wichtig ist, muss in Java EE und – noch viel wichtiger – nicht jede Java-EE-Anwendung ist ein Microservice oder läuft in der Cloud. Von den acht Fragen zu Java EE bezogen sich zwei explizit auf JEE 9.

Tops und Flops

Das nach der letzten Umfrage eilig aufgenommene Model-View-Controller (MVC) Framework liegt jetzt auf dem letzten Platz. Das ist nicht unbedingt ein Widerspruch: 2014 wurde gefragt „Wollt ihr ein MVC-Framework in JEE?“ und knapp acht Prozent haben diese Frage bejaht. Nun lautete die Frage „Wie wichtig ist ein MVC-Framework für Cloud- und Microservice-Anwendungen?“. Da Microservices häufig gar keine GUI haben, ist ein Client-Framework natürlich nicht so relevant. Trotzdem haben 30 Prozent der Befragten geantwortet, dass es sehr wichtig sei, nur 21 Prozent finden es nicht wichtig. Trotzdem ist dieses Ergebnis für Oracle ausreichend, um die MVC-Spezifikation wieder aus dem Entwurf zu entfernen.

Die Unsicherheit ist groß

Bei einigen der Fragen waren die Entwickler überfordert. 15 Prozent hatten keine Meinung zur Management-API, zehn Prozent konnten mit Multi-Tenancy nichts anfangen. Bei einem Drittel der Fragen haben acht Prozent oder mehr „not sure“ angekreuzt. Selbst bei dem seit der letzten Umfrage intensiv diskutierten Thema MVC waren sich sechs Prozent nicht sicher.

Wohin geht die Reise?

Was kann man also aus dieser Umfrage ablesen? Nicht viel. Die Antworten sind nur so gut wie die Fragen und die sind in diesem Fall sehr schlecht gestellt. Was bedeutet das für die Entwicklung von Java EE 8? Dem Entwurf wurden ein paar Themen hinzugefügt:

  • In JSR 375 (Security API 1.0) sollen OAuth, OpenID und Secrets Management ergänzt werden.
  • JSR 370 (JAX-RS 2.1) soll einen Client-Side Circuit-Breaker bekommen.
  • MVC 1.0 wurde aus dem Standard wieder entfernt und der Community zur Weiterentwicklung übergeben.
  • Zusätzliche JSRs für Configuration und Health-Checks sollen aufgenommen werden.

Das Hin und Her verdeutlicht Oracles Problem, eine klare strategische Ausrichtung der Java-EE-Plattform zu finden. Nachdem zunächst befürchtet wurde, dass Oracle den Standard am ausgestreckten Arm verhungern lässt, scheint nun wieder Bewegung in die Sache zu kommen. Im Juli soll der finale Standard veröffentlicht werden. Und 2018 will Oracle bereits Version 9 veröffentlichen. Ob das ein realistisches Ziel ist, ist fraglich – und ob es den angezählten Standard retten kann, wird sich zeigen.

 

Bildquelle: Shutterstock

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