Ein Plädoyer für native Apps

Web-Apps werden native Apps nicht ablösen. Viele Jahre prophezeit, ist der Trend heute wieder gegenläufig. Die Nachfrage geht klar in Richtung nativer Anwendungen. Zu überzeugend sind die Vorteile in der User Experience.

Eine Aussage, die zunächst einen Blick in die Vergangenheit notwendig macht: Mit dem Ziel, mittels moderner Webtechnologien ein natives User Interface (UI) nachzubilden, sind in den letzten Jahren zahlreiche Frameworks entstanden (jQuery Mobile, Telekom Unify, PASS WTL etc.). Ein Trend, den Apple bei der Vorstellung des ersten iPhones auslöste: Das Unternehmen hatte sein hauseigenes WebKit so getrimmt, dass Drittanbieter ihre „Apps“ mittels Webtechnologien abbilden konnten – unter anderem durch die Erweiterung um HTML4/CSS3-Funktionen, Touch- und Hardware-beschleunigtes Rendering sowie Touch-spezifische Formularerweiterungen. Durch die Reduzierung auf diese Technologien sollten Seiteneffekte auf die Grundfunktionen des iPhones sowie Störungen der Datenintegrität vermieden werden. Dafür stellte Apple Werkzeuge wie beispielsweise DashCode zur Verfügung. Dies erlaubte, mit einem einheitlichen Modell für Desktop-Browser und iPhones zu entwickeln. Ein Ansatz, mit dem sich viele Entwickler nicht abspeisen lassen wollten; 2008 legte Apple daher mit einem iPhone Software Development Kit (SDK) und einem Sandboxing-Konzept nach.

Entwicklungsstand nicht einheitlich

Das Problem: Die anderen Smartphones waren in Bezug auf Webtechnologien lange nicht so weit wie Apple. Android konnte bis V4 nicht Hardware-beschleunigt rendern, BlackBerry und Windows-Mobile/-Phone verfügten lange Zeit nicht über HTML5-kompatible Browser. Damit konnten die meisten Frameworks nicht die gleiche User Experience herstellen wie native Apps, zumal sie nicht auf allen Smartphones in der gleichen Qualität liefen. Aus meiner Sicht ein K.-o.-Kriterium für diesen Ansatz der Cross-Plattform-Entwicklung.

Abstriche in der User Experience

Meiner Einschätzung nach führen die deutlichen Unterschiede in der User Experience zu immer weniger Akzeptanz für webbasierte Apps. Der Knackpunkt: Beim webbasierten UI-Rendering werden alle Plattformen – nach dem Gießkannenprinzip – mit einem einheitlichen UI versehen. Übergangen wird dabei der Nutzer. Denn dieser hat die Kaufentscheidung für eine Plattform in der Regel bewusst getroffen, basierend auf den Usability- und Bedienkonzepten der einzelnen Betriebssysteme. Damit wird auch von Drittanbieter-Apps erwartet, dass sie den entsprechenden Konzepten und Designs folgen. Mobile Webseiten werden von den Nutzern nicht als Ersatz für eine App gesehen. Deutliches Beispiel ist die Bahn-App: Nach ihrer Präferenz befragt, geben im Zuge meiner Vorträge regelmäßig ca. 90 Prozent der Zuhörer an, die App der mobilen Bahn-Webseite vorzuziehen.

Gegen mobile Webseiten spricht darüber hinaus der zunehmende Trend hin zu Custom Controls (individuelle Bedienkonzepte, die der App die besondere User Experience liefern). Bei der Vielzahl an Apps in den Stores, hauen Standard-UI-Elemente kaum noch einen Anwender vom Hocker – gefragt sind ausgefeilte und intuitive Bedienkonzepte wie z.B. bei der

Custom Controls lassen sich nativ dabei nicht nur einfacher realisieren, sondern funktionieren in diesem Kontext oftmals auch flüssiger.

Generatoren reduzieren den Entwicklungsaufwand

Der Trend ist eindeutig: Apps werden wieder verstärkt nativ implementiert – sowohl im B2C- als auch im B2B-Umfeld. Das Problem, für jede Plattform getrennt entwickeln zu müssen, relativieren dabei zunehmend Generatoren. Diese ermöglichen eine einheitliche Modellierung und Generierung von nativem Code. App-Designer sorgen im Nachgang für den plattformspezifischen Feinschliff sowie die User Experience. Das schlagende Argument für dieses Vorgehen: In der Summe werden Entwicklungs- und Wartungsaufwände reduziert und dennoch eine spezifische User Experience gewährleistet. Beispiele für solche Entwicklungswerkzeuge sind Unity3D oder auch die PASS Software Factory für Business-Apps.

 

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