Google setzt auf Künstliche Intelligenz

So weit Augen und Ohren reichen: Google setzt auf künstliche Intelligenz

Auf der Google-Entwicklerkonferenz I/O, die in der vergangenen Woche stattfand, verkündete Google-Chef Sundar Pichai vor rund 7000 Gästen nicht weniger als einen Kurswechsel hin zu künstlicher Intelligenz. Die Ziele hingegen bleiben nahezu unverändert: Datensammlung und Kundengewinnung.

Das dominierende Thema der Konferenz: Intelligenz – genauer gesagt: künstliche Intelligenz (KI). Mit deren Hilfe sollen Geräte ihre Nutzer zukünftig noch besser als bisher verstehen und ihnen das Leben erleichtern. Möglich wird dies zum Beispiel durch Google Lens. Hierbei greifen neuronale Netze auf Bilder zu und können so z.B. Schilder in fremden Sprachen oder gar Schriftsystemen prompt übersetzen. Auch das Einwählen in ein neues WLAN-Netz funktioniert so mit einem Kameraklick. Das lästige Abtippen eines Zahlenmonsters entfällt. Die Liste ließe sich endlos weiterführen: Ticketkauf, indem man ein Werbeplakat einer Veranstaltung abfotografiert, Pflanzenbestimmung leicht gemacht oder der Kauf der Schuhe, die der Dame, die in der U-Bahn gegenübersitzt, so gut stehen – alles mit nur einem Klick.

Aber nicht nur Bilder, auch die eigene Stimme kann mittels KI für eine deutliche Vereinfachung im Alltag sorgen. Dabei wird nicht nur der Inhalt des Gesprochenen verarbeitet, sondern auch der Sprecher erkannt. Je nachdem wer dann z.B. dem smarten Lautsprecher Google Home die Anweisung „Rufe Mama an“ gibt, werden unterschiedliche Personen angerufen.

Fest steht, dass mit diesen Funktionen das Leben an vielen Stellen einfacher werden kann, wird einem doch manche Informationssuche abgenommen. Außerdem ist die Steuerung via Smartphone auch dann möglich, wenn man gerade keine Hand frei hat. Zu welchem Preis – erwähnt sei hier nur kurz, dass das Wort „Datenschutz“ im Gegensatz zu „Datensammlung“ in der Konferenz kein einziges Mal fiel –, bleibt jedoch noch offen.

Android 8 oder auch „O“ wie „Oreo“?!

Von C wie Cupcake [1] über K wie KitKat ist Google nun bei Update „O“ angelangt. Spekulationen zufolge wird es in der Reihe der Süßigkeitennamen nun also „Oreo“. Und was bringt das neue Update außer Appetit auf Kekse? Bis zum eigentlichen Rollout müssen sich Android-Nutzer wohl noch bis zum Sommer gedulden, aber schon jetzt gibt es eine öffentliche Beta-Version zum Testen und vor allem einige Vorabinformationen, was das neue Update alles sparsamer, schneller und besser machen soll. Wie bereits bei den vorherigen Updates, soll sich auch dieses Mal die Akkulaufzeit der Smartphones verbessern. Soweit so unspektakulär. Allerdings wartet Google dieses Mal auch mit wirklich hilfreichen Neuheiten auf: Wer hat sich noch nicht geärgert, dass ein Musikvideo oder die Lieblingsserie, die gerade in der YouTube-App liefen, jäh unterbrochen wurden, weil man sich eben schnell das Wetter anschauen oder einer Freundin über WhatsApp antworten wollte. Dieses Ärgernis gehört fortan der Vergangenheit an, kommt mit Android 8 nun die Bild-in-Bild-Funktion, die es ermöglicht, ein Video klein dargestellt weiterlaufen zu lassen und sich gleichzeitig anderen mehr oder weniger wichtigen Dingen auf dem Smartphone widmen zu können.

Eine weitere hilfreiche Neuerung ist die verbesserte Benachrichtigungsfunktion bei Apps. Zum einen kann der Nutzer zukünftig besser bestimmen, von welcher App er überhaupt und wenn ja, in welcher Form Benachrichtigungen erhalten möchte. Zum anderen zeigen Apps zukünftig selbstständig an, ob es etwas Neues gibt. Durchaus sinnvoll – zumal Apple schon lange vergleichbare Optionen anbietet.

Darüber hinaus findet eine bereits aus Chrome bekannte Funktion nun auch den Weg auf Android-Smartphones: Das automatische Ausfüllen von Benutzername und Passwort wird zukünftig auch für Apps verfügbar sein. Ob der Gewinn an Komfort oder der Verlust an Sicherheit hier dominieren, muss jeder Nutzer für sich selbst entscheiden.

Neu sind die Märkte, die Google zusätzlich erschließen möchte. Mit „Android Go“, einer Art abgespeckten Android-Version, möchte man eigenen Angaben zufolge Milliarden von Nutzern gewinnen, die weniger leistungsstarke Geräte nutzen.

Google Home bläst zum Angriff

Im Bereich der Hardware wurde die Ankündigung gemacht, dass man in Zusammenarbeit mit Hardware-Herstellern eine VR-Brille entwickeln möchte, die dank eingebautem Prozessor ohne Smartphone auskommt. Interessanter sind jedoch die Neuerungen rund um den smarten Lautsprecher Google Home. Dieser wird in den kommenden Monaten beispielsweise in Deutschland, aber auch in anderen europäischen Ländern, wie z.B. Frankreich, erhältlich sein. Neben den bereits vorhandenen passiven Funktionen, wie dem Steuern des Smart Homes und dem Beantworten von Fragen (die Ähnlichkeit zu Amazons Alexa ist hier sehr groß), wird Google Home in Zukunft auch aktiv mit dem Nutzer interagieren und z.B. auf Termine hinweisen oder auf einen Stau auf dem Weg zur Arbeit aufmerksam machen.

Neuerungen und eine breite Verfügbarkeit von Google Home sind auch dringend notwendig. Gelingt es Amazon derzeit einen Marktanteil von 70,6 Prozent zu halten, hinkt Google mit deutlichem Abstand und 23,8 Prozent hinterher. Gerade in Zeiten, in der auch Microsoft mit Invoke versucht den Markt zu erschließen, bleibt Google hier nur die Flucht nach vorn. Allerdings ist Google bei Weitem nicht nur Gejagter, sondern auch Jäger. Durch eine eigenständige iOS-App für den Google Assistant bekommt Siri ernsthafte Konkurrenz. Ob sich eine Lösung durchsetzen wird oder beide in friedlicher Koexistenz nebeneinander her leben, bleibt abzuwarten.

Deutlich wird an allen Beispielen aber eines: Das Thema Sprachsteuerung – sei es über eigenständige Geräte wie Amazon Echo, Google Home oder auch in Smartphones integriert – wird in Zukunft eines der entscheidenden Themen sein und bleiben. Wenn es also einem Anbieter gelingen sollte, hier die Nase vorn zu haben, würde dies einen deutlichen Wettbewerbsvorteil bedeuten. Wir beobachten den Markt also weiterhin ganz genau und werden nächste Woche der Frage nachgehen, ob Alexa mehr als ein Hype ist.

[1] Eigentlich war die erste Android-Version bereits die dritte, weswegen konsequenterweise nicht „A“, sondern der Buchstabe „C“ gewählt wurde.

 

Bildquelle: Benny Marty / Shutterstock.com

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