Nach dem Kaufangebot von Dell: Quo Vadis VMware?

Dell kauft ECM: Der Monster-Deal wird einiges durcheinanderwirbeln – auch bei VMware. 

Dell hat am 12. Oktober angekündigt, den Mehrheitseigentümer von VMware, EMC, in einer Rekordtransaktion von 67 Milliarden USD zu übernehmen. VMware bleibt in Form eines Tracking Stocks gelistet; dies hat für Dell den Vorteil, dass die Kosten der Übernahme von EMC sinken, das Unternehmen aber gleichwohl Kontrolle über VMware erhält. Die bisherigen Aktionäre bleiben am Erfolg des Unternehmens auch künftig beteiligt, soweit zumindest der Plan. Trotzdem war für die VMware-Aktionäre die Kaufankündigung durch Dell erst einmal keine gute Nachricht: Zwischen 7. und 16. Oktober verlor die Aktie mehr als 15 Prozent ihres Wertes. Einige Analysten gehen von noch weiter fallenden Kursen aus, da Dell weitere VMware-Aktien auf den Markt geben könnte, um die Kosten der EMC-Transaktion refinanzieren zu können. Stand jetzt sind die VMware-Aktionäre damit die Verlierer der Fusion.

Die Konkurrenzfähigkeit sinkt

Aber nicht nur die Übernahme durch Dell wirft einen dunklen Schatten – auch beim Thema Wettbewerb steigt der Druck auf VMware: Knackpunkte sind hier die Kosten und die geringe Diversifikation:

  1. Hohe Anschaffungskosten: Die Preispolitik von VMware basiert auf dem klassischen Lizenzmodell: der Kunde bezahlt eine Vorabgebühr (Upfront Fee) und zusätzlich jährliche Wartungsgebühren. Allerdings etablieren sich im Bereich der Servervirtualisierung mittlerweile alternative Lizenzmodelle, die ursprünglich auf dem Open-Source-Markt entstanden sind. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass auf eine Vorabgebühr verzichtet wird und stattdessen jährliche Nutzungsgebühren (Abonnementgebühren) erhoben werden. Häufig fahren Kunden mit dieser Variante besser. Andere Marktplayer wie Adobe, Microsoft oder Oracle reagieren auf diesen Trend und schwenken zumindest in einzelnen Geschäftsbereichen auf Abonnementgebühren um. Ich persönlich schätze diese Entwicklung (gemäß der Definition von Clayton Christensen) als disruptiv ein: Software-Anbieter, deren Geschäftsmodelle noch auf Upfront Fees basieren, werden vom Markt unter Druck gesetzt. Also auch VMware.
  2. Geringe Diversifikation: Unternehmen, die ihre marktrelevante Position mit einer  hohen Diversifikation (praktisch vollständige Abdeckung des Software-Stacks eines IT-Shops) verbinden, haben den Vorteil, dass sie auch die Usancen eines Teilmarktes wie z.B. der Server-Betriebssysteme beeinflussen können. Der Nachteil vom VMware wird hier mit Blick auf den Wettbewerber Oracle deutlich: Oracle bietet mit Oracle Linux ein Serverbetriebssystem an, das auf Linux basierend Virtualisierung unterstützt. Kommt eine Oracle-Datenbank in Verbindung mit VMware (ab VMWare vSphere 5.1) zum Einsatz, müssen alle VMware-Cluster eines vSpheres lizensiert werden, unabhängig davon, ob diese eine Oracle DB hosten. Für die meisten Business Cases rechnet sich dies schlicht und ergreifend nicht.

Unruhige Zeiten?

Disruptive Geschäftsmodelle haben laut dem Wirtschaftswissenschaftler Clayton Christensen die Eigenschaft, dass sie Märkte von unten nach oben erobern. Ich gehe davon aus, dass hochpreisige Anbieter wie VMware in den nächsten Jahren unter Druck geraten, ihre Preismodelle den geänderten Marktgegebenheiten anzupassen. Linux-basierte Lösungen werden weiter an Attraktivität gewinnen und immer mehr Unternehmen werden sich fragen, ob sie eine kostengünstigere Alternative zu VMware sind. Mit Blick auf die Dell-Transaktion wird es spannend sein zu beobachten, ob der Computerhersteller wirklich der natürliche Partner für den Virtualisierungsspezialisten ist – schließlich hat das Unternehmen seine Kernkompetenz als Hardware-Lieferant im Client-Geschäft.

 

Bildquelle: Shutterstock

Ein Gedanke zu “Nach dem Kaufangebot von Dell: Quo Vadis VMware?”

  1. Andreas Rinner

    Andreas Rinner

    Die Prognose weiter fallender Kurse für VMware bestätigt sich anscheinend – alleine gestern verlor die Aktie weitere 20% an Wert. Damit beträgt der Kursverlust von VMware im letzten Monat bereits über 30%. Zwar ist die Meinung der klassischen Analysten nach wie vor geteilt – immer noch die Hälfte (http://www.nasdaq.com/symbol/vmw/analyst-research) bewertet VMware mit Strong Buy; die Community schwenkt aber zunehmend auf Bearish um. Ist mit dem gestrigen Kurssturz das schlimmste für VMware überstanden? Wir werden den Merger von Dell mit EMC/VMware weiter beobachten und analysieren.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.