Stolpersteine bei der Servervirtualisierung mit Open Source

Etablierte Lösungen im Servervirtualisierungsumfeld werden weiterhin den Markt dominieren. Open-Source-Lösungen bleibt nur ein Nischendasein, zumindest bei kleinen und mittleren Unternehmen. Die Zukunft gehört der Konkurrenz aus Fernost.

Wohin geht die Reise bei der Servervirtualisierung? Das war die Frage meines letzten Beitrags – vielen Dank an alle, die sich an der Umfrage beteiligt haben! Die Anzahl der Abstimmungen lässt leider keinerlei Zugeständnisse bzgl. Objektivität und Repräsentativität zu. Aber: Das Ergebnis spiegelt zu einem meine eigene Meinung und zum anderen die zahlreicher Researcher in diesem Bereich wider:

VMWare und Microsoft Hyper-V sind weit vorne, danach kommt eine ganze Zeit lang nichts und zum Schluss tummeln sich, falls überhaupt, die Open-Source-Lösungen. Interessant ist auch, dass Huawei eine Stimme bekommen hat. Hier werde ich mich gerne als Orakel anbieten und stelle folgende Behauptung auf: Der Anbieter aus China wird bereits in naher Zukunft einen der vorderen drei Plätze einnehmen.

Warum wird Open Source gemieden?

Es muss einen Grund dafür geben, dass gerade kleine und mittelständische Unternehmen Open-Source-Produkte meiden. Scheinbar gibt es einen Zusammenhang zwischen der Größe der Unternehmung und der Wahl einer etablierten Virtualisierungslösung. Im Whitepaper „How a Hypervisor-Converged Software-Defined Data Center Enables a Better Private Cloud“ attestiert Spiceworks VMware einen Marktanteil von 75 Prozent bei kleinen bis mittleren Betrieben (mit weniger als 1.000 Mitarbeitern).

Wichtige Gründe, die gegen den Einsatz von Open-Source-Lösungen im Virtualisierungsumfeld sprechen:

  1. Die Umgebungen von VMWare und Microsoft sind etabliert, sie laufen, sind einfach zu bedienen und verfügen über einen hohen Funktionsumfang. Damit sind sie den Open-Source-Lösungen noch einen Schritt voraus.
  2. Open Source heißt nicht zwingend, dass die eingesetzte Lösung auch kostenfrei ist. Aus unserer Erfahrung heraus kann man sagen, dass Open Source nicht immer die kostengünstigste Option für den Anwender ist. Ein Beispiel hierfür: Wenn ich WinServer im Einsatz habe und vor der Frage stehe, ob ich die Umgebung virtualisieren will, ist es in einigen Szenarien durchaus vorstellbar, dass die im Lizenzpreis für den Windows Server enthaltene Hyper-V-Lizenz die kostengünstigste Alternative darstellt.
  3. Der Einsatz von Open Source ist nur durch erheblichen personellen Aufwand zu bewerkstelligen. Das Problem kleiner und mittelständischer Kunden ist dabei oftmals schlicht die mangelnde Ausstattung mit Personal. Lassen Sie uns die Tatsachen beim Namen nennen: Im Normalfall sind die wenigen Mitarbeiter der internen IT damit ausgelastet, das Daily Business zu stemmen (First-Level-Support, die firmeneigenen und businesskritischen Applikationen am Laufen halten…).
  4. Der Mittelstand traut sich nicht, Open-Source-Produkte einzusetzen. Am Ende des Tages steht immer folgendes Risiko im Raum: Wenn ich ein Problem habe und es selbst nicht gelöst bekomme, habe ich eben nicht die Möglichkeit, direkt beim Hersteller anzurufen und mir einen oder mehrere Berater schicken zu lassen. Auch ist dieses „spezielle“ Know-how schwieriger auffindbar, als es bei den „Standards“ der Fall ist. Diese Risikoaversion ist für den deutschen Mittelstand nicht ungewöhnlich.

Es wird deutlich, dass die einzelnen Punkte nicht zwingend getrennt voneinander betrachtet werden können, sondern sich Interdependenzen zwischen einzelnen oder mehreren Punkten zeigen.

Ob und inwieweit sich Open-Source-Lösungen auch im Mittelstand stärker durchsetzen können, hängt nicht zuletzt von der Experimentierfreudigkeit der Unternehmen ab. Dies wird sich aus meiner Sicht erst langsam entwickeln. Daher gehe ich davon aus, dass in den nächsten zwei bis drei Jahren VMWare und Microsoft Hyper-V den Großteil des Marktes unter sich ausmachen. Dahinter werden Citrix und RedHat ihre Position gegenüber Huawei verteidigen müssen.

 

Bildquelle: Shutterstock

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