Windows 10: Betriebssystem der Zukunft oder Datenkrake?

Windows 10: Betriebssystem der Zukunft oder Datenkrake?

Mit Windows 10 versucht Microsoft, die durch Windows 8 teilweise verspielte Gunst der Nutzer wieder zu gewinnen. Doch dabei gibt es ein Hindernis: mangelhafter Datenschutz.

Bekanntermaßen folgt auf jede misslungene Windows-Version ein echter Verkaufsschlager. So löste Windows XP im Jahr 2001 die stark mit Negativschlagzeilen behaftete Millennium Edition ab und läuft auch heute noch – immerhin schon über ein Jahr nach dem offiziellen Support-Ende – auf zahlreichen Rechnern. Das Vista-Fiasko wiederum wurde 2009 durch Windows 7 beendet, dem derzeit mit über 60 Prozent Marktanteil meist genutzten Betriebssystem weltweit.

Windows 10 soll nun all die Computernutzer besänftigen, die Windows 8 mit seiner neuartigen Kacheloberfläche verschreckt hat. Diejenigen, die vergeblich in der linken unteren Ecke nach dem Start Button suchten, dessen rudimentäre Wiedergeburt mit Windows 8.1 nicht mehr als ein schwacher Trost war. Und natürlich auch diejenigen, die mit einem App Store auf ihrem PC so rein gar nichts anfangen können.

Mit Windows 10 auf der sonnigen Seite des Fensters

Windows 10 führt ein User Interface ein, das wieder stärker an altbekannte Windows-Oberflächen erinnert und mit Maus und Tastatur mindestens genauso einfach zu bedienen ist wie per Touch. Das Startmenü ist zurück und bringt den Nutzer direkt zu einer Übersicht seiner am häufigsten verwendeten Programme – genau so, wie wir es von Windows 7 kennen. Aber auch von den Apps mitsamt Live Tiles, die die wichtigsten Informationen bereits ohne Öffnen der App anzeigen, verabschiedet Microsoft sich nicht gänzlich. Diese finden wir bei aktiviertem Desktop-Modus in der rechten Spalte des Startmenüs. Wer unter Windows 8 regelmäßig Probleme hatte, den Knopf zum Ausschalten zu finden, darf ebenfalls aufatmen: Unter Windows 10 ist er wieder genau dort, wo wir ihn vermuten, nämlich im Startmenü.

Eine weitere bedeutsame Neuerung ist die digitale Sprachassistentin Cortana, deren Dienste Windows-Phone-Nutzer schon seit einiger Zeit zu schätzen wissen und die nun auch den Weg auf den Desktop gefunden hat. Cortana steht dem Computernutzer bei jeglichen Fragen und Aufgaben mit Rat und Tat zur Seite, indem sie für ihn mittels Bing das Internet durchsucht, ihn an seine Termine erinnert und vieles mehr. Von ihren Funktionalitäten her erinnert Cortana, die ihren Namen übrigens aus Microsofts Spiele-Serie Halo bezieht, stark an Apples Siri oder an Google Now.

Datenkrake Microsoft?

Das klingt zuerst einmal alles schön und gut, wäre da nicht das Thema Datenschutz. Microsoft muss sich seit der Veröffentlichung von Windows 10 nämlich immer wieder den Vorwurf anhören, das Betriebssystem würde seine Nutzer ausspionieren und die Daten an Dritte weitergeben. Hintergrund ist eine erst kürzlich von Microsoft vorgenommene Aktualisierung sowie Vereinheitlichung der Datenschutzbestimmungen verschiedener Dienste. Dort heißt es:

Microsoft sammelt Daten, um effektiv arbeiten und Ihnen die besten Erfahrungen mit unseren Diensten anbieten zu können. (. . .) Und wir verwenden die Daten dazu, um der angezeigten Werbung mehr Relevanz zu verleihen. (. . .) Wir teilen Ihre personenbezogenen Daten mit Ihrer Zustimmung oder nach Bedarf, um eine Transaktion abzuschließen oder jeden Dienst anbieten zu können, den Sie anfordern oder autorisieren. Wir teilen Daten auch mit Microsoft-kontrollierten Tochtergesellschaften und Niederlassungen; mit Anbietern, die in unserem Auftrag handeln; wenn dies gesetzlich vorgeschrieben oder als Antwort auf ein rechtliches Verfahren; zum Schutz unserer Kunden; um Leben zu schützen; um die Sicherheit unserer Dienste aufrecht zu erhalten; um die Rechte oder das Eigentum von Microsoft zu schützen.

Durch die Vereinheitlichung der Privacy Statements fällt Windows 10 nun unter dieselben Richtlinien wie die zahlreichen kostenlosen Online-Dienste des Unternehmens. Und dass wir uns solche in der Regel mit unseren Daten erkaufen, dürfte sich ja mittlerweile herumgesprochen haben – man denke nur einmal an die Finanzierungsmodelle Facebooks und Googles. Im Übrigen ist der Vergleich mit Facebook und Google an dieser Stelle gar nicht so krumm, wie er auf den ersten Blick erscheinen mag. Immerhin ist auch die neue Windows-Version quasi permanent mit dem Internet verbunden – anders würden Features wie die OneDrive-Integration oder die Suche mittels Cortana gar nicht erst funktionieren – und kostenlos verfügbar ist Windows 10 im Moment auch noch, zumindest für Nutzer von Windows 7 und 8.

Wer Wert auf die Sicherheit seiner Daten legt, kann deren Sammlung zwar per Opt-out Einhalt gebieten, allerdings sind die dafür notwendigen Einstellungen über eine Vielzahl von Menüs verteilt und nicht leicht zu finden. Dringt man dennoch zu ihnen vor, kann dort unter anderem verhindert werden, dass Microsoft Informationen zu besuchten Websites oder zum Standort des Computers aufzeichnet, dass Sprache aufgenommen wird oder dass eine Advertising-ID zur Erstellung personalisierter Werbemaßnahmen generiert wird. Ob diese Einstellungen das Sammeln von Daten tatsächlich zuverlässig verhindern, ist jedoch strittig. Neuste Berichte zeigen, dass Windows 10 teilweise auch dann Daten an Microsoft sendet, wenn dies eigentlich deaktiviert wurde.

Privatsphäre-bedachte Nutzer sollten sich außerdem darüber im Klaren sein, dass einige Dienste nicht mehr in ihrem vollen Umfang genutzt werden können, wenn Microsoft der Zugriff auf bestimmte Daten verwehrt bleibt. Cortana beispielsweise funktioniert umso besser, je mehr sie über den Nutzer weiß und kann nur mit Microsoft Account genutzt werden. Entscheidet man sich gegen die Einrichtung eines solchen Benutzerkontos, ist außerdem weder die Synchronisation der Benutzereinstellungen über verschiedene Geräte hinweg noch die tiefe Integration des Cloud-Speicherdienstes OneDrive möglich.

Windows as a Service

Mit Windows 10 hat Microsoft ein Betriebssystem geschaffen, das im Gegensatz zu seinem Vorgänger enormes Potenzial besitzt, sich in breiten Bevölkerungsschichten durchzusetzen und auf lange Sicht sogar Windows 7 vom OS-Thron zu stürzen. Durch die verbesserte Bedienbarkeit per Maus und Tastatur und die verringerte Bedeutung des App Stores dürfte Microsoft letztendlich auch seine Businesskunden überzeugen und für Verbreitung in diesem bedeutsamen Sektor sorgen.

Zumal es sich bei der neusten Version des Betriebssystems um das letzte Windows im klassischen Sinne handeln soll: Neue Funktionalitäten sollen zukünftig in Form kleinerer Updates auf die Geräte gebracht werden, während größere Versionssprünge der Vergangenheit angehören („Windows as a Service“). Bleibt nur zu hoffen, dass sich eine nicht unerhebliche Zahl dieser angekündigten Updates mit dem Thema Datenschutz beschäftigen wird – hier besteht nämlich noch Nachholbedarf!

 

Bildquelle: Shutterstock

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